Die Krone im Land der Armut

Als ob die allgemeine Armut nicht schon reicht, Krisen machen es nicht besser, oder doch?

Irgendwie war es abzusehen, dass so etwas mal kommen muss. Diese immer höher, immer weiter, immer schneller Mentalität war kaum noch zu ertragen, und für die Erde gab es schon deutlich sichtbare Zeichen, dass wir Menschen an ihr Raubbau begehen. Die viel beschworene Globalisierung ist an einem kritischen Punkt angekommen. Das war uns allen schon länger klar, und doch haben wir nur oberflächig reagiert, da uns ein Leben mit Superlativen weitaus wichtiger war.

Und auf der anderen Seite, in anderen Kulturen, in denen nur persönliche Kontakte üblich sind, werden neue Wege online gefunden. So entwicklen sich neue Möglichkeiten für alle im Bewusstsein für andere.

Wie immer im Leben, wenn wir etwas ändern sollen, aber nicht wollen, kommt ein Ereignis, das uns radikal umdenken lassen muss. Diesmal in Form eines Virus.

Corona, sein Name, ein lateinisches Wort, das Krone aber auch Belagerungsring heißt. Beide Bedeutungen passen wie die Faust aufs Auge. Corona, sagt mir, dass hier jemand die Krone aufhat, und dass wir uns wie in einem Belagerungszustand befinden, brauche ich wohl nicht näher zu erklären.

Doch genau das spaltet die Nation. Für die einen ein zu autoritäres Verhalten, für ein Grippevirus, an dessen Vorgänger auch jedes Jahr Tausende sterben. Worte wie Panikmache und Überwachungsstaat sind häufiger zu hören.

Für die anderen ist das Virus eine echte Gefahr, weil unbekannt und kein Gegenmittel vorhanden. Da wir uns wegen der Kontaktsperre jedoch nicht persönlich darüber austauschen können, muss das Internet herhalten, und es wird geschimpft und vermutet und Verschwörungstheorien finden ihren Anfang.

So lasst uns nur von wirklichen Fakten sprechen, da selbst die Infizierten- und Todeszahlen mittlerweile von einigen angezweifelt werden. Doch obwohl das Virus vieles durcheinander wirbelt, gibt es deutliche Zeichen für uns. Wer genauer hinschaut, kann sie bei sich selbst und seiner Umgebung entdecken.

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Nachhaltigkeit hat Grenzen

Nachhaltigkeit ist toll. Mit Begeisterung lese ich Bücher von Joshua Becker, Fumio Sasaki und anderen, wie wir unsere Umwelt entlasten können, in dem wir minimieren, auf die Produktionsstoffe und Herstellungsmethoden achten, uns informieren über die Firmenphilosophie, dass wir mieten statt kaufen und, und, und. Doch wir reden dabei von „unserer“ Welt. In einer Wirtschaft in der die Produkte immer billiger werden, und die Kaufkraft steigt, bleibt es nicht aus, dass die meisten Haushalte schlicht überfrachtet sind von Gegenständen, die kaum gebraucht werden, und wir in einem Überangebot an Waren ertrinken. Dass unter diesen Umständen vermehrt über Nachhaltigkeit nachgedacht wird ist richtig und verständlich.

Doch was passiert an dem anderen Ende der Welt. Sind sie auch von einem Überangebot an Waren betroffen? Nein, dort herrscht ein Mangel. Liegt es da nicht auf der Hand, dass wir uns hier zunächst um die Grundversorgung kümmern, und bei allem, was darüber hinausgeht, die Nachhaltigkeitsdiskussion anwenden?

Ein kleines Beispiel zum besseren Verständnis. Die Krankheit Schlaganfall gab es bis vor einiger Zeit nicht in Gambia. Nun, da immer mehr Personen davon betroffen sind, ist aber die Logistik, die diese Krankheit mit sich bringt noch lange nicht so weit. Bei einer ärmeren Familie würde es dann etwa so aussehen.

Ein Schlaganfallpatient liegt nun also bei den Angehörigen im Bett und wird von ihnen gepflegt. Die Gehälter von einem Dienstmädchen/Putzfrau/Köchin oder eines Wachmannes/Hausmeisters liegen etwa bei 30-40€ (Sofern die Frau überhaupt noch arbeiten gehen kann). Ein eigenständiger Toilettengang ist für den Patienten nicht mehr möglich, bleibt nur Windeln oder irgendeine andere Unterlage, um nicht mehrmals am Tag das gesamte Bett reinigen zu müssen. Wie sehr würde sich da eine Familie über Windeln freuen. Sie fragen dann nicht, wieviel Plastikgehalt die Windel hat, und ob sie nachhaltig ist. Für sie ist es eine enorme Erleichterung und ein Geschenk des Himmels.

Und nicht vergessen: Eine gambische Frau hat auch nicht ein paar Küchenmaschinen, die ihnen die Arbeit schneller von der Hand gehen lässt. Nein, sie muss das Feuer für das Kochen vorbereiten, sie muss oft vom nächsten öffentlichen Wasserhahn das Wasser in großen Wannen auf ihrem Kopf nach Hause tragen, täglich auf den Markt gehen, denn Vorratshaltung geht nicht ohne Kühlschrank und die gesamte Wäsche der Großfamilie mit der Hand waschen. Dass sie dann nicht noch unbedingt Stoffwindeln auswaschen möchte, liegt, denke ich, auf der Hand. Da freut man sich einfach über die Windeln und fragt nicht nach dem Plastikgehalt.

Übrigens: Eine Windelpackung kostet ebenso wie in Deutschland so auch in Gambia 20€ für ca 20 Stück. Wie kann sich das eine Familie mit weit unter 100€ Einkommen mehrfach im Monat leisten? Die Antwort: Gar nicht. Daher sind Geschenke dieser Art immer herzlich willkommen.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Hinweis, die Nachhaltigkeitsdiskussion für Gambia ein wenig in das rechte Licht rücken. Selbstverständlich ist es global gesehen immer richtig und auch wichtig, über diese Themen sich nicht nur Gedanken zu machen, sondern auch zu handeln. Aber bitte nicht auf Kosten der ärmsten Menschen der Erde.

Wir nennen sie Containershops

Wir nennen sie Containershops, aber eigentlich ist es eine Recycling-Industrie.

In Zahlen: Deutschland hat seine Konsumausgaben in den letzten knapp 30 Jahren verdoppelt. Das heißt, es wird mehr und mehr gekauft. Die Gründe sind klar. Billigware macht es möglich, und es wird auf Quantität statt Qualität gesetzt. Da die Billigproduktionen (meist aus dem Ausland) aber nicht lange hält, hat jedes einzelne Produkt eine oft recht kurze Lebensdauer. Und irgendwo müssen die ausrangierten Sachen ja hin. Was liegt da näher als sie zu den Armen und Hilfsbedürftigen z.B. in Afrika zu schicken.

Ich teile diese Ansicht mit gemischten Gefühlen.

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Eine bewegende Geschichte

Modou J., geboren 1998, ist ein junger Mann, dessen Geschichte mich sehr berührt hat. Er ist der zweite Sohn seiner Eltern, und sein Leben ist nicht so einfach. Sie wohnen in einem kleinen Haus, zunächst ohne Strom und mit einem kaputten Dach, durch das es ständig hereinregnete. Er hat einen älteren Bruder, der versucht in Senegal Geld zu verdienen und einen jüngeren Bruder und zwei kleine Schwestern. Die jüngeren Geschwister gehen auch nicht regelmäßig in die Schule, auch haben sie oft kein Frühstück.

Seinen Kindergarten konnte Modou fast nicht beenden, weil die Eltern ihn nicht zahlen konnten. Zu dieser Zeit verkaufte der Vater Brennholz und die Mutter verkaufte Erdnüsse.

Auch in der Grundschule wurde er oft wegen nicht bezahlten Schulgebühren nach Hause geschickt. Angesichts dieses Dilemmas, beschloss der Vater 2011 den Weg durch die Wüste zu gehen, um seiner Familie etwas bieten zu können. Doch dann kam die Revolution in Libyen, „Eine bewegende Geschichte“ weiterlesen

Zucker, Zucker, Zucker

Zucker – die Süße des Lebens, Energiespender, Kalorienbombe und was ihm sonst noch so nachgesagt wird.

Aus Vernunftsgründen lehnen ihn viele ab, aber irgendwie wollen ihn auch alle haben. Zucker ist ungesund, macht die Zähne kaputt! So werden Lightprodukte entwickelt, die letztlich mehr Fett als Zucker enthalten, denn irgendwo muss der Geschmack ja herkommen.

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mittlerweile privat mit dem Thema Zucker. Denn die Industrie tut es auch. In dem Film „Voll verzuckert“ wird auf eindrucksvolle Weise dargestellt, wie die Zuckerindustrie uns im Griff hat. In etwa 80% aller Lebensmittel in einem Supermarkt befindet sich Zucker. Es sind versteckte Zuckerarten im Brot, im Käse, in fast allen Produkten, die industriell hergestellt werden. Auf diese Weise nehmen laut Statistiken die Deutschen täglich etwa

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Physiotherapie in Gambia

Physiotherapie in Gambia

Das Spannende an meinem Job ist, dass ich durch die Nöte unserer Bedürftigen immer wieder neue Dinge entdecke, was es in Gambia alles gibt.
So führte uns Alagie, der 2013 einen schweren Unfall hatte, einige Zeit im Rollstuhl saß und jetzt wieder, dank vieler Sitzungen Physiotherapie an einer Krücke gehen kann, zu seinem Phyisotherapie-Studio. Der Weg ging durch die verkehrsreichste Strasse Gambias, mit vielen Staus und noch mehr dreckiger Luft, aber als wir ankamen, war es wie eine kleine Oase mit Blumen vor der Tür und absoluter Stille im Inneren.

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Was es sonst noch über das Essen in Gambia zu sagen gibt

Um im Bild zu bleiben, möchte ich heute noch einmal über den berühmten Tellerrand schauen. Denn das, was sich in anderen Ländern zum Thema Essen abspielt, kann doch schon sehr anders sein.

In meinem letzen Artikel vergaß ich, über die Meeresfrüchte zu schreiben. Das Erstaunliche daran ist, dass Krabben (Größe 1 – das sind die ganz großen) das Kilo schon für 2,50€ gibt, und auch Austern (ihr lest richtig, ich habe eben extra noch einmal im Wörterbuch nachgeschaut, denn hier sagt man „Oyster“ dazu) kosten für einen vollen Teller 1€. Die sind natürlich schon aus der Schale, und somit ganz schön viele. Was für uns so etwas besonderes ist, ist hier eher Alltag.

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So isst man in Gambia

Reis, Reis, Reis. Beginnen wir die Story mit einer wahren Begebenheit. Als ich einmal nach Deutschland flog, setzte sich ein Ehepaar in die Reihe vor mir. Sie ließen sich in die Sitze fallen mit den Worten: „Gott sei dank, nie wieder Reis.“ Ich grinste vor mich hin, denn auch ich versuche außerhalb Gambias auf Reis zu verzichten. Wenn Gambier für dich kochen, gibt es in der Regel Reis mit Soße. Irgendwie kann man es ja verstehen. Reis macht satt, ist relativ nahhaft, Reis ist im Verhältnis zu anderen Lebensmitteln günstig, und wenn du dann auch noch den hier so beliebten Bruchreis nimmst, dann wächst die Menge explosionsartig im Topf an. D.h. von einer kleinen Menge Reis können viele Mägen satt werden.

Ok, das zu den Basics. Doch was dazu? Die meisten essen aus Kostengründen Fisch zum Reis. Ein Kilogramm Fleisch kostet genauso viel wie in Deutschland, so kann sich jeder selbst ausrechnen, wie oft ein Arbeiter mit 30-50€ Gehalt im Monat wohl Fleisch essen kann. Übringens habe ich hier noch nie Lamm- oder Kalbfleisch gesehen. Die Kleinen werden hier nicht geschlachtet. Dafür aber die alten Kühe oder Bullen, das dann manchmal bedeutet, 4 Stunden Fleisch vorkochen. Wohl dem der einen Schnellkochtopf hat. „So isst man in Gambia“ weiterlesen

Leben mit Analphabeten

Das Leben in einem Land mit 30-40% Analphabeten unterscheidet sich schon sehr von dem in einem Industrieland. Da gibt es für unsereins viel zu lernen. Die Übermittlung von Informationen und damit auch die Art der Information muss in vielen Fällen völlig neu überdacht werden. So spielt beispielsweise das Radio in Gambia noch eine sehr große Rolle. Da das Radio seit je her nicht zu meinem gewohnten Umfeld gehört, vergesse ich es oft. Bemerke dann aber immer wieder, wenn ich auf bestimmte Sendungen hingewiesen werde, wie interessant es doch sein kann.

Viele junge Menschen, mit neuen erfrischenden Ideen sprechen dort, Institutionen, die junge Menschen in die Selbständigkeit führen wollen, stellen sich vor, und religiöse und spirituelle Themen werden dort diskutiert. Selbst Ernährungsberatung habe ich schon gehört. Immer wieder überraschend für mich, wenn ich mich gerade so schön eingehört habe, dann die Aufforderung an den Sprecher nun noch einmal alles in eine der 8 gambischen Sprachen zu übersetzen. Ich frage mich dann immer, wer bis jetzt auf englisch zugehört hat und nichts verstand, ist der noch dabei?

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10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen

Diesen Artikel widme ich meinem Schwager Habib, der mit 30 Jahren sein Leben im Mittelmeer vor Lampedusa verlor. Wir haben alles versucht, ihn davon abzuhalten. Doch leider ohne Erfolg. Seitdem haben wir viele Gespräche mit anderen Ausreisewilligen geführt, um ihre Beweggründe und ihre Hoffnungen besser zu verstehen und ihnen vielleicht Alternativen anbieten zu können.

Gambia hat 1,8 Mio. Einwohner (Stand 2017). Jährlich verlassen mehrere tausend junge Männer das Land, um durch die Wüste nach Libyen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Nigeria beispielsweise hat 100x mehr Einwohner und auch von dort machen sich etwa die gleiche Anzahl Männer auf den Weg.

Für Nigeria kann ich nicht sprechen, aber warum die Gambier gehen, davon konnte ich mir jetzt ein Bild machen, das ich gerne mit euch teile. Je mehr Menschen über die Motive informiert sind, desto besser können wir vielleicht helfen, sie davon abzuhalten. Allerdings müsste sich dazu wohl die Gesamtsituation im Land verbessern. Die Abwanderungsbereitschaft ist bei vielen so hoch, dass selbst Versprechen für eigenes Geschäft oder ähnliches nicht mehr wirken. Es ist wie ein Virus, der die Männer befällt, von dem sie nicht mehr geheilt werden können. „10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen“ weiterlesen

Ein Leben ohne Strom

Alle, die schon länger diesem Blog folgen, mögen es vielleicht nicht mehr hören. Doch in der heutigen Zeit der Technologie ist ein Leben fast ohne Strom schwierig. Wie schwierig wollte ich euch heute mal etwas näher erklären, damit ihr so in etwa eine Vorstellung habt, unter welchen Bedingungen ich versuche in Kontakt mit euch zu bleiben.

Bei derzeit maximal 6 von 24 Stunden Strom am Tag (morgens 3 und abends 3) nachts oft nicht, und da würde ich den Ventilator so sehr brauchen. In unserem Haus haben wir jetzt in der Regenzeit nachts 31 Grad Celsius mit 80% Luftfeuchtigkeit. Ich brauche euch sicher nicht zu erzählen in welchem Zustand man morgens aufwacht.

Wäsche waschen mit der Waschmaschine nimmt auch komische Formen an, wenn du plötzlich um 23 Uhr anfängst, weil dann gerade der Strom angegangen ist. Glücklicherweise haben wir ja unsere Batterie-Glühbirnen, so haben wir wenigstens Licht. Obwohl vor etwa einem Monat der Strom mal mit solcher Wucht zurückgekommen ist, dass einige Birnen explodiert sind und zwei Ventilatoren durchgeschmort. Später kam dann noch ein Elektriker, der alle Steckdosen ausgewechselt hat, weil sie alle Schaden genommen haben.

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Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email

Ich weiß gar nicht, ob es das Wort Kommunikationskulur überhaupt gibt, aber es ist das, was mein Gemütszustand gerade am besten ausdrückt. Denn es scheint so zu sein, dass wir uns in eine Richtung bewegen, die mit einer Kommunikationskultur nichts mehr zu tun hat. Da lese ich von einer österreichischen Bloggerin den Satz „einen Zweizeiler kann man noch kürzen“, Freunde freuen sich an meinen kurzen Blogeinträgen, da mehr ja sowieso keiner mehr liest, und viele Jugendliche um mich herum können nur noch SMS-Sprache. Müssten sie als Abitruienten einen langen Text schreiben, würden sie kläglich scheitern. Wo führt das alles hin? Aus Empathy und Mitgefühl für unsere Kinder, aber auch für die Zwischenmenschlichkeit auf der Erde nun diese Überlegungen.

Ich persönlich habe mich entschlossen, drei meiner fünf Chatprogramme zu löschen (die anderen brauche ich beruflich) und wieder mehr emails zu schreiben. Das hat folgende Vorteile: „Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email“ weiterlesen

Schaffen wir 50 neue Likes?

Ich freue mich, dass dieser Blog immer mehr Zulauf hat. Doch wie jeder Blogger möchte auch ich gerne mehr Klicks und Likes haben. Was bedeutet es für einen Blogger Klicks, Likes oder Follower zu haben? Es bedeutet, dass es Personen gibt, die mögen, was der Blogger macht bzw. schreibt. In unserem Fall „machen“ wir Hilfeleistungen für die Ärmsten in Gambia, und ich schreibe auch darüber. Wenn uns also jemand liked oder folgt, ist er daran interessiert, welche Projekte wir anschieben und was aus ihnen wird.

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Bei Gericht!

Es liegt mir wirklich fern, mich über andere Länder und deren Gebräuche lustig zu machen. Aber was wir dieses Jahr bei Gericht erlebt haben, und wie viel dort gelacht wurde, kann man sich als kühler Norddeutscher eigentlich nicht vorstellen.

Warum, wieso, weshalb wir da waren, lassen wir jetzt mal beiseite. Ist für den folgenden Text auch nicht wichtig. Zunächst mal zum Bau. Das Gebäude ist ebenerdig und hat viele Gänge, die zum größten Teil offen sind. Die Räume, besonders die Gerichtssäle, liegen dann eher in der Hausmitte mit offenen aber vergitterten Fenstern. Alle Türen stehen auf, und jeder geht ungehindert überall ein und aus, und kann ungehindert alles mithören.

Das führt dazu, dass jeder jeden hört, und du alle Geschichten dort mitbekommst. Undenkbar in Deutschland. Ob es um eine geklaute Kuh geht, oder

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Eine wirklich schöne Geschichte

Vor über einem Jahr baten wir euch für Yaghouba D. zu spenden. Er kam aus Guinea nach Gambia, um IT und Englisch zu lernen. Sein Onkel versprach ihm, ihn zu unterstützen. Schon nach sehr kurzer Zeit zog der Onkel sein Angebot wieder zurück und erwartete von ihm, dass Yaghouba, ihm auf seinen Baustellen half. Das hat er dann eine Weile getan, bis er als Helfer bei einer unserer Baustellen eingeteilt war. Er erzählte uns, was passiert war und bat uns um Hilfe.

Wir aktivierten unsere Sponsoren und siehe da, er konnte Englisch und IT erfolgreich abschließen. Bei seinem Onkel musste er deswegen allerdings ausziehen. So hatte er dann weder einen Platz zum

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Alhamdulillah 

Dieser Blog heißt Empathy-Mitgefühl. Somit habe ich natürlich auch Mitgefühl für Menschen außerhalb Gambias Grenzen. Gestern erreichte mich aus Deutschland eine sehr traurige email von einer lieben Freundin und Schwester im Glauben, die gerade durch große Prüfungen gehen muss. Da wir alle mal mehr mal weniger durch Prüfungen gehen müssen, habe ich mir mal ein paar Empathie-Gedanken gemacht, wie man mit solchen Prüfungen leben kann. Der folgende Text richtet sich jetzt an alle, die an einen Gott glauben, alle anderen können an dieser Stelle wegklicken.

Wenn ich im Folgenden von Allah spreche, ist unser aller Gott damit gemeint. (Gott heißt auf arabisch Allah). Ich denke praktizierende Christen fühlen sich auch angesprochen. Ich verwende das Wort Allah, weil ich arabische Begriffe aus dem Alltag erkläre, in denen das Wort Allah vorkommt. Ich bin überzeugt davon, dass jeder alle diese Begriffe schon einmal gehört hat.

Wer emotional so weit unten ist, braucht Halt. Diesen

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Rückblick.

Rückblick. Der kommt gleich, doch vorab erst ein kleines Schmankerl aus Gambia, wie es leibt und lebt. Eindrücke von unserem Flug nach Gambia: Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es immer lauter wurde, je südlicher wir kamen. Im Flugzeug nach Brüssel, war es noch sehr ruhig. Dann am Flughafen suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen mit Blick auf unser Gate. Da der Schlaf in der Nacht doch recht wenig war, dösten wir so vor uns hin, bis sich die Sitzreihen um uns herum mit Afrikanern füllten. Ich bin bis jetzt noch nicht dahinter gekommen, warum sich zwei Personen, die direkt nebeneinander sitzen, sich so laut anschreien müssen. Nun ja, vielleicht gibt mir ja mal einer den entscheidenen Tip. Auf dem Flug nach Dakar/Banjul stieg der Geräuschpegel dann noch einmal an. Schon alleine weil zwei Kleinstkinder in unserer unmittelbaren Nähe waren.

Endlich aus dem Flugzeug, empfing uns dann eine Wand aus schwül-feucht-warmer-klebriger Luft. Ich hatte schon damit gerechnet, daher war die Überraschung nicht ganz so groß. Bei der Gepäckausgabe dann wieder Routine. Je weißer die Hautfarbe, desto größer die Chance, mit einem Kreide F (für Food haha) auf den Koffern im Zollbüro zu landen und ohne die Koffer aufzumachen, zahlen zu müssen. Darauf hatte ich aber so gar keine Lust, daher griff ich zu einer Methode, die ich so noch nie ausprobiert hatte. Ich zückte meine Visitenkarte von unserem NGO. Und siehe da. Plötzlich ging es auch ohne. Dann stand auch noch wie aus dem Nichts mein Mann vor mir, der als Nichtpassagier eigentlich gar nicht in den Gepäckbereich durfte. Von da an ging dann alles ganz leicht, und wir verließen schnellstens den Flughafen.

Auf dem Weg nach Hause ging es dann weiter im gambianischen Stil. Bei der Ausfahrt „Rückblick.“ weiterlesen

Auf der Suche nach Individualität

„Das größte Streben des Menschen ist der tiefe Wunsch nach Anerkennung.“

William James

Beeindruckt von diesem Satz glaube ich , dass die meisten Menschen, wenn nicht unbedingt Anerkennung dann doch zu mindest Aufmerksamkeit möchten.

In Ländern wie Gambia, das in Großfamilien organisiert ist, gibt es vergleichsweise eher wenig Nachnamen. Auch die Vornamen sind nicht so vielfältig. Sie orientieren sich vorzugsweise an den großen Persönlichkeiten des Islams, und speziell der Prophetenfamilie.

Nun stell dir einmal vor, du bist ein Mädchen in einer gambischen Highschool. Du trägst eine Uniform, weil das aus der britischen Kolonialzeit  noch übrig geblieben ist. Wenn du also die Schule betrittst, sehen alle so aus wie du. Du gehst in deine Klasse, jemand ruft deinen Namen „Fatou“ und 5 Mädchen drehen sich um. Im Klassenverzeichnis gibt es dann fast jeden Nachnamen mindestens doppelt.

Kein Wunder, dass einige der Mädchen nun auf jeden Fall irgendwie auffallen und aus der Rolle fallen wollen. (Interessant: 2x fallen, was das nun wieder zu bedeuten hat?)

Um dieser Namensgleichheit entgegenzuwirken, geben sich die Schüler Spitznamen. Manchmal sind es die Initialen, manchmal Abkürzungen, häufig auch Namen von Promis. Um dann nicht in Vergessenheit zu raten, schreiben sie dann an die Wände der Klasse zum Beispiel „Remember FC“. Traurig, wenn das die einzige Möglichkeit ist, in Erinnerung zu bleiben.

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Alt sein in Gambia…..

Alt sein in Gambia ….. ist etwas Herrliches. Nun, wirst du vielleicht denken, bei all der Armut, was ist daran herrlich. Es ist die Menschlichkeit. Alt werden in der Geborgenheit der Familie. Mit der Weisheit des Alters, dem Respekt und der Ehre, die einem Familienoberhaupt zuteil wird. Sie helfen und bringen sich in das Familienleben ein, so lange und so gut es eben geht. Und wenn es dann irgendwann nicht mehr geht, wird es eben langsamer, und die nachfolgenden Generationen verwöhnen die Älteren so gut und liebevoll sie es können. Bei der Größe der Familie sind sie nie allein und können sich immer dazusetzen zum Reden.

Eine große Überraschung war es für mich, als ich erfuhr, dass es EIN Seniorenheim in Gambia gibt. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber wir haben dann tatsächlich auch die Möglichkeit bekommen, das eine Seniorenheim mal zu besuchen.

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Müll in Afrika -A Never Ending Story

Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Müllbeseitigung ein echtes Problem. Vor knapp 2 Jahren, schrieb ich in einem Artikel, dass der damalige Präsident innerhalb einer Woche beschlossen hatte, alle Plastiktüten aus dem Land zu verbannen. Ich war angenehm überrascht wie problemlos und nachhaltig das funktioniert hat. Seitdem gibt es nur Stofftüten. Das ist auch gut so, denn weniger gebildete Leute verbrennen alles, ob Plastik, Autoreifen (manchmal auch ganze Stapel) oder anderes Verpackungsmaterial vor ihrer Haustür und verursachen Höllenqualen für Asthma-Patienten, von denen es hier überdurchschnittlich viele gibt. Die Luftverschmutzung durch nicht vorhandene Katalysatoren und einer Mehrheit von Autos, die weit über 20 Jahre alt sind, ist enorm. Hier wäre ein Training für Umweltbewusstsein von Nöten.

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Ganz besonders hat es immer die Kinder des SOS-Kinderdorfes betroffen. Der einzige Müllplatz des Landes ist genau gegenüber des Kinderdorfes. Der Müll auf dem Platz, der gut mehrere Fußballfelder groß ist, wurde ständig angezündet.

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Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht

Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht
10 Tage vor der Vereidigung des neuen Präsidenten und die Tage danach.

Tag 10 – 9.1.17 Montag

Morgens ins Büro gegangen. Wir haben noch weiter am Jahresabschluss gearbeitet, aber es war schwer bei der Sache zu bleiben. Heute soll das Meeting der Westafrikanischen Staatspräsidenten im Rahmen der Inauguration des neuen Staatschefs in Ghana stattfinden. Alle warten gespannt auf die Ankündigungen. Abends wurde dann mitgeteilt, dass die Ecowas-Spitzen sich am 11.1. Mittwoch mit Präsident Jammeh zu einem letzen Gespräch treffen wollen. Nun ja, wir hatten mehr erhofft.

Tag 9 – 10.1.17 Dienstag

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Wenn die Angst sich in den Alltag einschleicht

5 Stunden nachdem letzen Artikel auf dieser Seite ereignete sich das, was keiner gewollt, aber viele befürchtet hatten. In einem anfänglichen fast rührenden Telefonat mit dem neu gewählten Präsidenten gratulierte der noch Amtierende ihm vor laufenden Kameras zur gewonnen Wahl. Das war am Abend des 2. Dezembers. Am Abend des 9. Dezembers zog der scheidende Präsident die Zustimmung zu seiner Niederlage wieder zurück und erklärte, dass er alles dafür tun würde, im Amt zu bleiben.

Als erste Reaktion fühlte sich die Bevölkerung irgendwie belustigt. Das Wochenende verging und jeder hoffte, dass er noch zur Besinnung kommt. In den Folgetagen kamen Staatspräsidenten aus anderen West-Afrikanischen Ländern, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Selbst seine Mutter und eine Gruppe der wichtigsten Imame des Landes versuchten ihn zur einer friedlichen Übergabe zu überreden. Doch alles blieb ohne Erfolg. Inzwischen steigerte sich seine Wortwahl in hasserfüllte Drohungen mit der Verwendung des Wortes „Krieg“ und schlug schließlich in die Aberkennung der Wahlergebnisse um. Er fordert es vor dem obersten Gericht zu klären und will am 10.1. Neuwahlen per Gericht erzwingen. Derzeit ist es ein Hin-und Her der Richter, ob sie bleiben oder gehen. Die Situation ist derzeit sehr unübersichtlich.

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Ein Land erwacht

Erst ganz langsam wird mir klar, dass wir im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent einem sensationellen Großereignis beigewohnt haben. Jeden Tag gibt es neue Geschichten, die von totaler Begeisterung bis tiefe Trauer reichen.

Die Gambianer hatten die Wahl zwischen drei Kandidaten: dem ehemaligen Präsidenten, einem Vertreter Volksstammes der Fula und einem Vertreter der Maninka, die die größte Volksgruppe in Gambia stellen.

Der ehemalige Präsident hat dieses Mal, warum auch immer, zugelassen, dass es ein Spotcounting (Auszählung im Wahllokal)  gab. Als er dann jedoch bemerkte, dass es knapp wird, wollte er die Wahlurnen ins Statehouse bringen lassen.

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Elephantiasis …

…. Eine Krankheit die das Leben sehr beschwerlich macht, denn die Gliedmaßen können auf eine ungeahnte Dimension anschwellen und die Betroffenen bewegungsunfähig machen. Elephantiasis kann angeboren sein, in den meisten Fällen ist es aber eine Infektionskrankheit, die durch kleine Würmer ausgelöst wird, die in das Lymphsystem eindringen und es quasi lahmlegen.

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Zwangsweise offline

Aufregende Stunden liegen hinter uns. Gestern wurde in Gambia gewählt. Sie wählten einen neuen Präsidenten. Das ist in Afrika immer eine große Sache. Die Stimmung im Land war seit Wochen schon sehr angespannt. Wir als Normalbürger haben diese Stimmung darin gespürt, dass das Internet immer mehr eingeschränkt wurde, damit so wenig Informationen wie möglich nach außen gehen. Für uns als NGO unerträglich, wenn wir die Sponsoren nicht mehr erreichen können. So quälten wir uns dann über VPN-Server und andere Programme, um mit unseren Freunden und Unterstützern in Kontakt zu bleiben.

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Bitte lasst eure Medikamente nicht in der Schublade vergammeln!

Wohl dem der vom Arzt Medikamente verschrieben bekommt, dann in die Apotheke geht und sie einfach so oder für wenig Geld bekommt. In Gambia ist das leider etwas anders. Hier musst du erst einmal Gebühren bezahlen, um als Patient registriert zu werden, dann bekommst du eine Beratung, und schließlich musst du dir alle Medikamente selbst kaufen. Auch das wäre vielleicht nicht bei allen das Problem. Aber was, wenn es die Medikamente gar nicht gibt? Das passiert leider häufiger als man denkt.

Dazu zunächst eine kleine Geschichte. Eine Bekannte von uns, 46 Jahre alt, litt unter hohem Blutdruck. Gelegentliche Arztbesuche halfen ihr damit umzugehen. Eines Abends fühlte sie sich nicht so gut, alle anderen Familienmitglieder schliefen schon, so machte sie sich alleine auf den Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus. Es war nicht weit nur etwa 5 Minuten mit dem Taxi. Dort angekommen stellten sie einen sehr hohen Blutdruck fest, hatten aber derzeit keine Medikamente dagegen.

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Die Sache mit dem Strom

Für unser Projekt „Nähen statt Lampedusa“ haben wir die Anschubfinanzierung schon gesichert. Allerdings ist jetzt ein Problem aufgetreten, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Es scheint ein etwas größeres Problem in ganz Gambia mit dem Strom zu geben. Es gibt keine Stromquellen, die hier angezapft werden können. Keine Windenrergie, Solaranlagen nur in Privatbesitz Erdöl sowieso nicht. Es gibt nur Plants (übergroße Generatoren), die natürlich mit Diesel gefüllt werden müssen.

Seit über einem Monat nun gibt es selbst um die Hauptstadt herum nur nachts 4 Stunden Strom. Für eine Nähwerkstatt mit 10 elektrischen Nähmaschinen ein NoGo. Um unser Projekt nicht zu gefährden, wollen wir und nun unabhängig von diesem Problem machen und eine kleine Solaranlage für unsere Nähwerkstatt kaufen. Bisher sind bereits 315€ Spendengeldern eingegangen.

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Hilfe! Wir brauchen eure Hilfe!

Seit 18 Jahren nunmehr leiten wir den Verein „Help the poor and the needy e.V“. Dank großartiger Spender, konnten wir den Ärmsten der Armen helfen, Notfallhilfe leisten, Ausbildungen für eine nachhaltige Stabilisierung der Familien bewirken, Witwenhilfe und vieles andere mehr.

Wie an anderer Stelle schon beschrieben, gehen eure Spenden zu 100% in die Projekte. Um das weiterhin gewährleisten zu können, brauchen wir  „offene Spenden“ d.h. Spenden, die keinem Projekt zugeordnet werden. Diese Spenden werden dazu verwendet, unsere Bürokosten wie 3 Angestellte, Strom, Internet, Telefon, Computer, Büromaterial, Transportkosten etc. zu bezahlen. Derzeit belaufen sich unsere Verwaltungskosten auf 400€ monatlich. Das wurde bisher gedeckt durch Daueraufträge einiger lieber Spender.

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Die Witwen von Gambia …..

…. sie brauchen unsere Unterstützung am dringendsten. Aus diesem Grund haben wir im August das Witwen-Reis-Programm gestartet. Bis jetzt profitieren 18 Witwen davon, indem sie jeden Monat einen Sack Reis von uns bekommen. Obwohl wir stets bemüht sind, nachhaltige Projekte zu initiieren, müssen wir doch auch schauen, wo die Not am größten ist und dort helfen.

Die Mehrheit der bei uns registrierten Witwen leben unter ähnlichen Bedingungen. Einige von ihnen sind noch recht jung mit Mitte 40 und sind Mitglied vom Bakau-Women-Garden. Dort haben sie ein Beet, das sie bewirtschaften können, und den Ertrag auf dem Markt verkaufen. Der Ertrag reicht mit ein wenig Glück für das tägliche Fishmoney. Doch ein monatlicher 50 Kg Sack Reis für 25€ oder gar Schulgebühren für die Kinder ist davon nicht finanzierbar. In Gesprächen mit ihnen dreht sich immer alles um den monatlichen Sack Reis. Wenn du den hast, gehst du wenigstens nicht hungrig schlafen.

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Bewegende Momente

Eigentlich wollte ich diesen Blog sofort schreiben, als ich wieder zu Hause war, doch ich war immer noch so gerührt von dem, was ich gesehen hatte, dass ich es wohl erst einmal verarbeiten musste.

Wie ihr ja wisst, helfen wir viel in dem Dorf Kuloro – Dar-us-Salam (kurz: Kuloro). Weil es dort aber so viel Armut gibt, sehen wir immer mehr Schicksale, und es entwickelt sich zu einer Never-Ending-Story. Und das ist gar nicht böse gemeint, denn wir gepamperten Westeuropäer können hier viel wieder gut machen. Wer von meinen Lesern an das Paradies glaubt und die Aktionen, die es erfordert dorthin zu kommen, kann hier tätig werden und viele gute Taten sammeln.

Doch nun zur Geschichte selbst. Bei unserem ersten Besuch in Kuloro begegnete ich einer Frau, die mich spontan umarmte und mit den paar Worten Englisch, die sie sprach, mich wiederholt als ihre Freundin bezeichnete. Sie war dabei immer so fröhlich, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

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Regenzeitopfer

Wir kennen sie alle, die Bilder von Unwetteropfern. Sei es aus fernen Ländern oder nur einige Kilometer entfernt aus dem eigenen Land. Umgestürzte Bäume, Hochwasser, heruntergefallene Ziegel oder zerstörte Autos. Wir fühlen Mitleid mit den Betroffenen und der nächste Gedanke ist dann, wie kann geholfen werden? Doch mal ehrlich, der übernächste Gedanke ist dann ….. das regelt die Versicherung oder darum muss sich die Regierung kümmern… und schwupp ist der Mitleidsgedanke wieder weg. Not so?


Ganz anders in Gambia. Über die von der Weltbank errechnete Armutsgrenze von knapp 2 Dollar pro Tag, können wir hier nur lächeln. 2 Dollar pro Tag (60 Dollar pro Monat) ist hier ein Gehalt eines mittleren Angestellten. Wovon reden wir dann bei einfachen Arbeitern oder gar Arbeitslosen? Und was passiert, wenn sie ihre Dächer durch einen Sturm verlieren? Die  Dann springt keine Versicherung ein und die Regierung schon einmal gar nicht. 

Denjenigen, die nicht einmal genug zum Essen haben, bleibt also nichts weiter übrig, als ihre Dächer mit Sandsäcken oder Autoreifen zu sichern und zu beten, dass das Dach nicht wegfliegt. Vielleicht auch in der Hoffnung, dass damit einige der Löcher abgedeckt werden, durch die es immer wieder ins Innere hineinregnet. 




So schön die Sonnenpunkte auf dem Lehmbett auch aussehen. Wenn es regnet, haben die Löcher eine andere Wirkung. 

Ich kann euch noch unzählige Geschichten Betroffener erzählen, doch möchte ich diese Gelegenheit lieber nutzen, um an unser Notfallkonto zu erinnern. Uns erreichen beinahe täglich Notrufe von Hilfesuchenden, die Probleme mit den Wassermassen, die in Afrika während der Regenzeit vom Himmel kommen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem deutschen Regen. Die Zerstörung anschließend ist oft groß, auch weil die Häuser aus Armutsgründen meist nur aus Lehm mit Wellblech gebaut sind. Zementblocks sind einfach zu teuer. 

Ich weiß, es ist immer schöner für eine bestimmte Person, ein Schulkind, oder eine Witwe zu spenden. Doch was mit den vielen noch nicht namentlich Genannten, die unsere Hilfe vielleicht noch dringender brauchen. Bitte spendet auch für sie unter dem Vermerk „Notfallhilfe“. Wasser, Wind und auch Feuer haben schon soviele Wohnsituationen von Menschen zerstört, die sich den Wiederaufbau nicht leisten können. Gerade vorgestern, kurz bevor wir in „unser“ Dorf aufgebrochen sind, kam unsere Nachbarin vom Büro ca. 80 Jahre alt und flehte uns an, ihr zu helfen. Aus einer Wand ihres Hauses sind beim letzten Regen schon einige Steine herausgefallen und nun droht die Wand mit der Eingangtür und damit das ganze Haus einzustürzen. Hier ist nicht nur ein Sachschaden abzusehen, sondern auch Menschenleben in Gefahr. 


Auch wir selbst hatten Probleme und sind nicht überall leicht durch gekommen. In manchen Momenten wurde auch mir etwas bange ums Herz. Aber Gott sei’s gedankt, wir konnten unsere Projektrundfahrt erfolgreich beenden. 


Wer von euch für die vielen Opfer der jährlichen Regenzeit spenden möchte, kann dies gerne hier tun.

Help the poor and the needy e.V.

Verwendungszweck: Notfallhilfe

Ich danke für eure Aufmerksamkeit, dass ihr diesen Artikel zu Ende gelesen habt. 

Tobaski hat nichts mit Tobacco zu tun

Tobaski ist der gambische Name für das Opferfest der Muslime, im Arabsichen Id-ul-Adha genannt. Es wird am 10. Tag des Dhu-l-Hiddscha (in diesem Jahr voraussichtlich am 12.9.) gefeiert, am Ende der großen Pilgerfahrt nach Mekka. Es ist das größte Fest der Muslime und führt auf die Begebenheit Ibrahims (Abrahams) zurück, als Gott ihn aufforderte Ihm sein Liebstes, seinen Sohn, zu opfern. Ibrahim tat, wie ihm befohlen wurde. Gott erließ ihm daraufhin das Opfer und tauschte den Sohn gegen einen Hammel aus. 
In Erinnerung an diese sowohl biblische als auch koranische Geschichte, gedenken die Muslime dieser aufopferungsvollen Gottesfurcht Ibrahims, in dem sie einmal jährlich einen Hammel oder ein anderes Weidetier schlachten. 

Eine Überlieferung des Propheten Muhammad (sws) lautet dazu: „Oh Ihr Leute, es obliegt der Familie eines jeden Hauses, jedes Jahr ein Opfertier zu schlachten. (Hassan Ibn Ahmad, Abu Dawud)

Auch in Gambia ist es das größte Fest im Jahr, und das ganze Land freut sich auf das große Beten. Jeder zieht neue Kleider an, und die Familien gehen geschlossen in die Moscheen. Wenn das Wetter gut ist, wird auf den Vorplätzen der Moscheen gebetet unter Palmen und blauem Himmel. Da Gambia ein sehr farbenfrohes Land ist, ist die Begegnung mit den vielen Menschen ein wahre Augenweide. Nach dem Beten gehen alle nach Hause, um ihr Schaf zu schlachten. 

In meinen Posts oder emails habt ihr vielleicht schon gelesen, dass wir dazu aufrufen, Opfertiere nach Gambia zu spenden. Dieses Opfertier heißt bei den Muslimen Qurban. Das Wort Qurban kommt von dem Verb „qaruba“, das im Arabischen soviel heißt wie „sich nähern“. 

Damit ist der Zweck des Opferns weder das Fleisch noch das Töten, sondern das „Sich-Annähern“ an Gott. So steht es auch im Quran geschrieben: 

Sicher erreicht nicht ihr Fleisch Allah, und nicht ihr Blut, sondern es erreicht ihn die Gottesfurcht von euch. (22:37)

Unter dem Gesichtspunkt, dass nur ein Teil des Fleisches selbst gegessen, der größere Teil jedoch gespendet werden sollte, stärkt das jährliche Opfern die Solidarität und den Geist der Gemeinschaft. Diese Gewohnheit des Teilens ist somit ein Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit, denn auch die Empfänger fühlen eine Dankbarkeit gegenüber Allah und fühlen sich als angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Die so empfundene Solidarität lässt keinen Neid oder andere feindlichen Gefühle entstehen, die sonst durch Ungerechtigkeiten hervorgerufen werden können. 

Da in Deutschland das private Schlachten verboten ist, spenden viele ihre Qurban in Länder, in denen sich die meisten Menschen keinen eigenen Hammel leisten können. So haben die wohlhabenden Muslime ihre Opferpflicht erfüllt, und die ärmere Bevölkerung hat die Chance sich ebenso als Mitglieder der islamischen Gemeinschaft zu fühlen.  

Diese Geste lässt die Gemeinschaft immer wieder näher zusammenrücken und ruft zum Mitgefühl auf. Da wir unter unseren Followern auch Nicht-Muslime haben, die vielleicht mit dem Brauch des Opferfests nicht vertraut sind, war es mir ein Bedürfnis, dazu ein paar erklärende Worte zu posten. 

Fragen und Anregungen gerne unter 

mail@helpthepoor.de

Was ist „das sprechende Vögelchen“?

Gambia hat als kleinstes Land auf dem afrikanischen Kontinent „nur“ acht Volksgruppen und deren Sprachen. Kenia beispielsweise hat etwa 40 Volksgruppen und Nigeria über 400. Dennoch sind sich auch die acht in Gambia nicht immer grün. Besonders in punkto Sprachen. 

Die größte Bevölkerungsgruppen nach ihrer Häufigkeit gegliedert sind Mandinka, Fula, Wollof, Jola, Serahule und Serer. Die Mandinka-Bevölkerung war früher Bestand des Malinke-Reichs, das heute noch 7 Länder umfasst. Wollof hingegen wird nur in Senegal und Gambia gesprochen. Irgendwie wird es dennoch von der Mehrheit der Bevölkerung stillschweigend hingenommen, dass die drittgrößte Gruppe der Wollof (16%) den Ton angibt. Die meisten Wollofs leben in der Hauptstadt und arbeiten in der Regierung, also ….. So ist es üblich, wenn du bespielsweise ein Taxi besteigst, dass Fahrer und Fahrgast miteinander Wollof sprechen, obwohl vielleicht beide Mandinka sind. Die Hassliebe unter den Volkgruppen geht so weit, wie auch in anderen Regionen der Welt üblich, dass ein Mädchen aus der einen auf keinen Fall einen Mann aus der anderen heiraten sollte. Nun ja, das sind glücklicherweise immer mehr Ausnahmen.  

Obwohl die Mandinka (42%) mit Abstand die größte Bevölkerungsgruppe sind, ordnen sie sich sprachlich quasi unter und sprechen Mandinka nur, wenn sie unter sich sind. Einigen Mandinka gefällt das gar nicht, und sie kultivieren regelrecht ihre Sprache und ihre Kultur. Die Mandinka-Sprache hat Elemente aus dem Arabischen, einige portugiesische, französische und natürlich auch englische Wörter. Besonders die modernen Dinge des Alltags sind der Einfachheit wegen aus dem Englischen übernommen. Nun gibt es eine Tendenz, dass auch diese Wörter wieder „re-mandinkanisiert“ werden sollen. Dabei entstehen entzückende Worte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

So ist beispielsweise ein Computer auf Mandinka „fending no la ba“ (übersetzt: ein Gerät, das alles weiß). Ein Flugzeug ist „kulung tila“ (übersetzt: ein Schiff, das fliegt) und ein Professor ist ein „lo na ba“ (übersetzt: er weiß viel). Meine absoluten Lieblingsworte sind aber die Mandinka-Worte für Telefon „kunun-ding kumala“ (übersetzt: das sprechende Vögelchen) und das für Radio „Kunneh-ring diamula“ (übersetzt: die kleine sprechende Box). Ist das nicht wunderbar? Nun schauen wir mal, ob sich die Tradionalisten mit ihrer Sprachoriginalität durchsetzen können, und die neumodischen Wörter wie Radio, Telefono, Pley-no, Boat oder Professor aus dem Wortschatz verschwinden. 

Aufmerksam wurden wir auf dieses Phänomen durch eine Radiosendung, in der der Wunsch der Traditionalisten diskutiert wurde. Für die Sprache und die Kultur wäre es bestimmt eine Bereicherung, doch vielleicht sollte es doch jedem überlassen bleiben, welches Wort er benutzt, so lange alle immer noch wissen, wovon der andere spricht. 

Probleme, die keiner ahnt

Oft werden wir gefragt, ob das eine oder andere Projekt, das von unseren lieben Unterstützern in Deutschland finanziert wird, denn schon angelaufen ist. Da in Gambia die Mühlen etwas langsamer und etwas umständlicher mahlen, und ich sehr gut verstehe, dass in dem schnelllebigen Deutschland den hier vorgegebenen Rhythmus kein Mensch nachempfinden kann (ich hatte auch große Mühe das anzunehmen), möchte ich euch etwas aus unserem NGO-Alltag berichten. Ich greife jetzt mal eine beliebige Zeitspanne aus unserem Alltag heraus und schildere euch unsere Arbeit.

Eines vorne weg. Ich liebe meine Arbeit für den NGO. Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen, den Ärmsten dieser Welt, das Leben ein wenig lebenswerter machen. In glückliche Augen schauen, ein Lächeln zu bekommen und jeden Abend mit dem Gefühl ins Bett zu gehen, etwas Gutes getan zu haben. Wenn die nachfolgende Ausführung jetzt vielleicht etwas zäh klingt, dann soll es nur zeigen, dass es nicht so easy-Going ist wie in Europa, sondern oft mit einigen Hindernissen verbunden ist.

Tag 1

Wissend, dass am folgenden Tag unsere erste Reisausgabe für die Witwen sein wird, müssen noch viele Arbeiten zuvor erledigt werden. Der Großhändler muss informiert werden, dass er 17 Säcke Reis bereit hält, und die Witwen müssen informiert werden, am nächsten Tag zum Treffpunkt zu kommen. Glücklicherweise war das der erste Arbeitstag eines neuen Mitarbeiters, der vorher schon stundenweise bei uns gearbeitet hatte. Im Vorfeld dieser Aktion mussten natürlich die ersten Witwen, für die Sponsoren gesucht wurden, aus einer Masse von mehr als 70 Witwen selektiert werden. Das nahm auch etwa einen halben Tag in Anspruch. Nun sind sie aber ausgesucht, haben einen Sponsor gefunden, das auch etwa vier Wochen Arbeit war, und sie sollen morgen für ihren ersten Reissack kommen. Sie zu erreichen, stellte sich dann auch als schwerer heraus als erwartet. Viele arbeiten den ganzen Tag im Garten, und sind nicht erreichbar. Andere hatten die Telefonnummer der Kinder angegeben, die dann vergaßen der Mutter Bescheid zu sagen. Wieder andere hatten ihre Nummer geändert usw….. Schließlich nahm unsere Mitarbeiterin die Liste mit nach Hause und wollte es abends noch weiter versuchen.

Der Großhändler musste auch besser persönlich aufgesucht werden, da das Telefon als Hilfsmittel für Geschäftsabschlüsse in Gambia nicht wirklich anerkannt ist. Ihr seht mal eben schnell die Säcke bestellen und mal eben schnell die Empfänger anrufen ist nicht.

Die Auswahl der Witwen war auch nicht ohne. Jedes Mitglied bei uns muss einen Antrag ausfüllen und seine Lebenssituation beschreiben. Da die meisten Analphabeten sind, muss es auch dafür einen Mitarbeiter geben, der die ganze Sache aufnimmt. Außerdem ist das Formular in Englisch. Da die Betreffenden aber oft nicht zur Schule gegangen sind, muss es also erstmal in Mandinka übersetzt werden. Bei der Frage nach der Telefonnummer zücken sie dann ihr Handy und erwarten, dass du ihre Nummer in dem Handy suchst. Sie sind alle so süß, dass ich sie immer nur knuddeln könnte, wenn es nicht alles so viel Arbeit machen würde.

Eine liebe Spenderin hat für sieben Frauen ein Start-Up Kapital von 50€ gespendet. Auch das musste gut vorbereitet werden. Wieder die etwas mühselige Auswahl und dann das Informieren der Empfängerinnen. Soweit so gut, inzwischen sind alle informiert, und wir beten, dass am nächsten Tag alles glatt geht.

Nicht zu vergessen die täglichen Neuaufnahmen, die dann im Team diskutiert werden müssen und die naja, nicht so spannende Buchhaltung. Parallel zu alledem immer wieder den Mitgliederstand durchsehen, wer kann bleiben und wessen Situation hat sich so verbessert, dass er einem anderen Platz machen kann.

Tag 2

Morgens Treffen beim Großhändler zur Reisausgabe. Hier ging es dann mal richtig turbulent zu. Von einigen, besonders den Gehbehinderten, kamen die Kinder. Nun hieß es alle richtig zu ordnen, dann dem Gewusel der Schubkarrenfahrer Herr werden, doch am Ende gab es jede glückliche Gesichter und jede Menge Gebete für die Sponsoren.

img_0244Nachdem die letzte Witwe zwei Stunden zu spät gekommen war, schnell zurück ins Büro, weil dort schon die Start-Up-Frauen warteten. Obwohl das Start-Up ein Geschenk ist, lassen wir die Frauen den Betrag in 10 Monatsbeträgen wieder zurückzahlen, um es ihnen nach der Rückzahlung noch einmal zu geben. Diese Aktion dient dazu, dass sie es ernst meinen und seriös mit dem Geld umgehen. Anderenfalls muss man bei so großer Armut damit rechnen, dass andere Dinge von dem Geld bezahlt werden. Ein vorbereiteter Rückzahlungsplan und einige Regeln wurde ihnen ausgehändigt, dann mit Fingerabdruck unterschrieben, und alle waren glücklich. Wieder Gebete für die Spenderin, und sie gingen nach Hause.

Mittlerweile war es etwa 14 Uhr, und ich wunderte mich, dass während der ganzen Zeit ein junger Mann erst bei der Reisausgabe, dann im Büro anwesend war, den wir nicht kannten. Aber wir waren alle so beschäftigt, dass keiner richtig Zeit für ihn hatte. Als dann endlich alle Frauen weg waren, konnte wir uns ihm widmen. Er ist ein Witwer, hat mit seiner ersten Frau 5 Kinder, dann ist die Frau gestorben, mit seiner zweiten Frau hat er 4 Kinder, doch sie ist auch gestorben. Er ist Maurer und ist bei seiner Arbeit vom Dach gefallen und nun arbeitsunfähig. Er harrte aus bis wir Zeit für ihn hatten. Als Team beschlossen wir, dass sein Fall sehr eilig ist. So setzte ich ihn gleich mit einem Hilfegesuch in Facebook und Whatsapp.  Abends dann noch WhatsApp und Facebook-Korrespondenz und die leidige Buchhaltung des Tages.

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Tag 3

Heute widmen wir uns dem abgebrannten Haus von Assan Fatty. Die gespendeten Euros wurden gewechselt, und unser Mitarbeiter fuhr in die Hauptstadt, um sich mit Assan zu treffen und die Baumaterialien zu kaufen. Das Geld reichte exakt für die Hälfte der benötigten Materialien. Er brauchte 4 Pakete Wellblech, wir haben ihm 2 gekauft, er brauchte 20 Säcke Zement, er bekam 10. Aber er kann jetzt anfangen, und so Gott will, können wir ihm noch weiter helfen. Und immer wieder Fotos machen, und alles für die Spender dokumentieren.

Zwischendurch immer wieder an die Möglichkeit erinnern, dass man bei uns für das kommende Opferfest sein Kurban spenden kann.

Und wenn es gerade keine aktuellen Projekte zu bearbeiten gibt, müssen immer wieder die Datensätze aktualisiert, Digitalfotos von den Mitgliedern gemacht und neue Antragsteller interviewt werden.

Tag 4

Unser Computer, mein ehemaliges Apple-Notebook, hat den Geist aufgegeben. Aus Sicherheitsgründen haben wir es nach getaner Arbeit immer einem befreundeten Ladenbesitzer zur Aufbewahrung gegeben. Bei der letzten Abholung war die Tüte voller Kakerlaken  und der Rechner ging zwar noch an, aber der Bildschirm blieb schwarz. Da an dem Rechner sowieso schon so viel repariert wurde, musste nun ein neuer her. So galt es ein paar Telefonate zu tätigen, und unseren Nachbarn zu besuchen, der ein Computergeschäft hat, und zwei Tage später wurde das gute Stück dann geliefert. Diesmal ein Dell-Tischrechner. Glücklicherweise hatten wir ein Update auf einem USB-Stick.

Am Wochenende ist ein Besuch in dem Dorf Dar-us-Salam Kuloro geplant, wo wir in Kooperation mit Nächstenliebe ohne Grenzen e.V. eine Moschee bauen, das Dach einer Bäckerei erneuerten und dem Arabischlehrer, er mit seiner ganzen Familie auf dem nackten Boden schläft, Matratzen zukommen lassen wollen.

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Also müssen die Matratzen gekauft und der Transport ins Dorf organisiert werden. Gesagt getan, zwei Stunden später waren die Matratzen bei uns zu Hause, bereit für ihren nächsten Bestimmungsort. Die Organisation des Transports in das eine Stunde entfernte Dorf gestaltete sich jedoch nicht so einfach, weil wir ein Taxi mit Dachgepäckträger brauchten. Also alle bekannten Taxifahrer angerufen, und gefragt ob sie jemand mit einem Gepäckträger kennen.

Tag 5

Freitags ist unser Büro geschlossen. Das gab mir die Gelegenheit, wieder etwas zu posten, an diesem Artikel zu arbeiten und ein wenig konzeptionelle Arbeit zu leisten. Auch die vielen Fotos, mit denen unsere Arbeit dokumentiert wird, müssen dringend sortiert und in die entsprechenden Ordner abgelegt werden. Derzeit arbeiten wir intensiv an unserer Empfängergruppe, um wirklich den Ärmsten die bestmögliche Unterstützung zu geben. Zu diesem Zweck werden wir für jedes Mitglied eine ID-Karte ausgeben, die dann dazu berechtigt, an unseren Projekten teilzunehmen. Dazu müssen immer wieder die Personen eingeladen werden, um Digitalfotos von ihnen zu nehmen.

Außerdem nutzte ich dann noch die Zeit, um mal wieder Büromaterial einzukaufen. Während meiner Zeit in Deutschland ist hier einiges zu Ende gegangen.

Tag 6

Heute wollen wir nach Kuloro-Dar-us-Salam fahren, aber es ist mal wieder der Clean-the-nation-day. Dieser Tag findet hier 1-2 mal im Monat an einem Samstag statt. Die Mitteilung dazu bekommst du einen Tag vorher per SMS auf dein Handy. An diesem Tag dürfen von 9-13 Uhr keine Autos fahren, keine Geschäfte öffnen, und jeder soll vor seiner eigenen Haustür saubermachen. Soweit so gut, aber unser Trip nach Kuloro, musste damit spontan auf nachmittags verschoben werden. Wir haben ja sonst nichts zu tun. 😉 Und immer wieder der Blick in den Himmel, schließlich haben wir Regenzeit, und ein Platzregen wäre für die Matratzen nicht so vorteilhaft. 

Schließlich war es dann aber doch sehr schön in Kuloro. Wir konnten die Matratzen ausliefern, haben den Bürgermeister kennen gelernt, konnten das neu gedeckte Dach der Bäckerei bewundern, und den Fortschritt der Moschee. Außerdem genieße ich immer diese totale Ruhe dort. Als Großstadtkind ist es für mich immer schwer vorstellbar, dass es Orte gibt, die so eine Ruhe ausstrahlen. Beschenkt mit einer Flasche reinen Honig und einigen Mangos, verließen wir dann das Dorf wieder, um uns auf unsere 1 stündige Rückfahrt zu begeben.

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Tag 7

Sonntag war Pause. Obwohl so ganz Pause ist ja eh nie bei mir. Die Korrespondenz über Twitter, fb, Telegramm, WhatsApp, Instagram geht sowieso weiter, und die tollen Erlebnisse des Vortages wollen ja auch unter die Leute gebracht werden. Schließlich müsst ihr ja wissen, wo eure Spenden bleiben. Damit meine ich auch die lieben Spender die ohne Angaben von Projekten spenden. Dieses Geld nutzen wir dann für Fahrten zu den Projekten oder für Helfer, die Internetkosten, unsere Mitarbeiter, Strom etc. Ohne die selbstlose Hilfe dieser Spender könnten wir unser Büro gar nicht aufrecht erhalten. Allerdings steigen die Kosten, so sind neue Spender auch immer gern gesehen. Für den morgigen Tag beispielsweise ist geplant eine neue Mitarbeiterin für die Buchhaltung und andere Schreibarbeiten einzustellen.

Sie wird natürlich viel am Computer arbeiten. Wie jeder weiß braucht ein Tischrechner Strom, sonst geht gar nichts. Doch auch diese für Westeuropäer größte Selbstverständlichkeit ist für Afrika wie Russisch Roulette. Morgens kommst du ins Büro und schaust erst einmal bange auf den Zähler. Ok, Strom ist da, dann schnell anfangen. Doch nicht selten ist er dann plötzlich ohne Vorankündigung für Stunden wieder weg. Nun, wir haben damit leben gelernt. Zum einen konnten wir diesem Phänomen sogar etwas gutes abgewinnen, oder wann habt ihr das letzte Mal mit euren Kindern zusammen gesessen und über Papas oder Mamas Kindheit bei Kerzenschein oder Batterielampen gesprochen, und zum anderen sind wir uns sehr bewußt, dass fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose ein Geschenk sind, das wir zu würdigen wissen.

Tag 8

Unsere neue Mitarbeiterin ist da. Ein ganz liebes Mädchen, gute Kenntnisse in der Arbeit mit dem Computer und sehr bereit, mehr über die NGO-Arbeit und vor allem auch über den Islam zu lernen. Nun dann, schauen wir mal, wie wir uns gegenseitig helfen können.

In diesen Tagen liegt im Büro unser Schwerpunkt in der Bereinigung unserer Empfänger-Datenbank. Wie wir gehört haben, gibt es immer wieder Personen, die sich von uns helfen lassen, obwohl sich ihre eigene Situation durch Kinder im Ausland oder eine gute Heirat massiv verbessert haben. Es hat uns zwei Tage gekostet diese Informationen herauszufinden und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Tag 9

Vormittags weiter an unserer Ermittlungsarbeit, unsere neue Mitarbeiterin in unsere Buchhaltung eingewiesen und weiter an dem Witwen-Reis-Programm gearbeitet.

Nachmittags sind wir dann den Bitten von 3 unserer Unterstützer aus Deutschland nachgegangen. Zum einen haben wir einem Herrn Geld einer lieben Freundin ausgehändigt, der damit seine und andere Familien in einem etwas weiter entfernten Ort unterstützt, und wir haben 2 Hammel mit den gewünschten Bittgebeten für die Betroffenen geschlachtet und das Fleisch als Spende ausgegeben.

Tag 10

Eigentlich Pause, aber dann noch an dem Artikel weitergeschrieben und Korrespondenz erledigt. Morgens kam die Nachricht, dass die 52-jährige Mutter eines guten Freundes ganz plötzlich verstorben ist. Das lässt mich dann wieder so an die Endlichkeit unseres Daseins in dieser Welt denken. Warum wir eigentlich hier sind, und in welchem Zustand wir diese Welt wieder verlassen sollten. Für mich ein Ansporn noch mehr gute Taten zu sammeln, damit vielleicht ein Teil meiner schlechten dadurch getilgt wird.

Nun habe ich euch die letzten 10 Tage unseres NGO-Lebens und die damit verbundenen Hindernisse geschildert, in der Hoffnung dass ihr unsere Arbeit jetzt vielleicht besser versteht, und auch warum vielleicht nicht alles immer so schnell umgesetzt werden kann, wie aus Deutschland gewohnt. Doch seid versichert, dass wir uns nach Kräften bemühen, eure Wünsche bestmöglich umzusetzen. Ich stelle weiterhin fest, dass diese gewisse Entschleunigung mir persönlich besonders gesundheitlich letztlich sehr gut tut, und vielleicht jeder mal darüber nachdenken könnte, ob nicht auch in seinem Leben eine Entschleunigung möglich wäre.

Wer gerne mehr über unsere Arbeit wissen möchte, kann sich gerne bei uns melden. 

mail(at)helpthepoor.de

Alles Gute zum Ramadan-Fest

Help the poor and the needy e.V. bedankt sich für all die vielen Spenden und wünscht euch ein gesegnetes Opferfest. In Gambia wird am Mittwoch gebetet, aber wir konnten am Montag schon die drei gespendeten Bullen schlachten und das Fleisch an die Armen verteilen. Sie kamen in Scharen in unser Büro, glücklich zum Fest Fleisch zu haben, dass sie sich normalerweise nie leisten könnten. 

Es war ein sehr gesegneter Ramadan, und wir konnten mit eurer und Allahs Hilfe viel Gutes tun. Vielleicht könnt ihr es euch nicht vorstellen, aber für die Bedürftigen, die wir versorgen, ist es etwas ganz Besonderes, Fleisch zu essen. Ich suche gerade nach einem Vergleich, um euch dieses Gefühl zu beschreiben, aber da wir uns ja in der Regel alles kaufen können, worauf wir Appetit haben, kann ich euch dieses Gefühl nur schwer vermitteln. 

Es gibt eine Schwester, die schon eine Reihe von Selbsttests durchgeführt hat, um annähernd das Gefühl nachzuempfinden, dass die Armen empfinden, wenn sie ohne Strom oder ohne Wasser leben müssen, oder tagein tagaus zu allen Mahlzeiten Reis essen, da alles andere zu teuer ist. Ich denke, erst wenn man das alles selbst gesehen oder gefühlt hat, kann man verstehen, wie es in anderen Ecken der Welt wirklich zu geht. 

Daher ist es umso wichtiger, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass sich die Ärmsten der Armen etwas besser fühlen. Wir wollen aber nicht nur die größte Not lindern, sondern auch nachhaltig Hilfe leisten.  Wenn ihr dabei sein wollt, könnt ihr diesen Blog abonnieren oder unsere fb-Seite liken. Auch wenn ihr selbst nicht helfen könnt, wäre es dennoch zu schön, wenn mehr Freunde auf unsere Seiten aufmerksam würden. 

Wer Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de

Wer spenden möchte, kann dies hier tun:

Help the poor and the needy e.V.

IBAN DE47100205003291200

BIC BFSWDE33BER

Ich wünsche allen Muslimen noch schöne Feiertage und allen anderen noch einen schönen Sommer. 

Mussu

Mussu ist Witwe. Das ist soweit erstmal nichts Besonderes, da wir über 70 Witwen in unserem Programm haben. Doch möchte ich eure Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal lenken, weil sie noch ein viel größeres Los zu ertragen hat als manch andere Witwe. Als vor 3Jahren ihr Mann gestorben ist, hat er sie mit 8 Kindern zurück gelassen, die sie jetzt allein versorgen muss. Keine leichte Aufgabe. Das wissen auch wir, die vielleicht zwei, drei oder vier Kinder haben. Viele von uns stöhnen ja schon als Hausfrau mit zwei Kindern voll versorgt durch den Ehemann oder den Staat. 

Als ob das nun nicht schon alles schlimm genug ist, hatte sie vor einiger Zeit auch noch einen Schlaganfall und ist komplett linksseitig gelähmt. Sie versucht zu laufen, doch es fällt ihr enorm schwer. Sie schiebt das rechte Bein vor und zieht das linke mühsam nach. Wenn sie außer Haus muss, kann sie die Strecke nur mit einem Taxi bewältigen, doch das ist teuer. 

Um Witwen wie Mussu zu helfen, bietet sich an, ihr monatlich einen Sack Reis zu schenken. Reis ist das Grundnahrungsmittel in Gambia und das Hauptproblem für die meisten armen Familien. Wenn sie den Reis, haben und sich „nur“ noch um die Beilagen kümmern müssen, ist ihnen schon viel geholfen. Das Einkommen eines einfachen Arbeiters liegt bei 30€. Ein Sack Reis kostet im günstigsten Fall 25€. Da bleibt nicht viel übrig. 

Wir haben schon länger vor ein Witwen-Reis-Programm ins Leben zu rufen. Mit Mussu wollen wir jetzt den Anfang machen. Wer könnte sich vorstellen, vielleicht auch als Gruppe, monatlich 25€ zu überweisen, um Witwen wie Mussu, einen 50 Kg Sack Bruchreis jeden Monat zu ermöglichen. 

Ich werde jetzt nach und nach immer wieder Witwen vorstellen, die dringend unsere Hilfe brauchen. 

Wer Interesse hat, melde ich bitte bei mir per Email (mail@helpthepoor.de), damit es nicht zu Mehrfachspenden für eine Witwe kommt. Sollte es mehrere Spender für eine Witwe geben, stelle ich den Betreffenden umgehend eine andere Witwe vor. 

Es würde mich freuen, wenn wir mit eurer Hilfe diese Witwen-Reis-Programm starten könnten, dass möglichst vielen Witwen ihren monatlichen Reis sichert. 

Ein wunderschöner Ramadanbeginn

Die Müdigkeit saß uns noch in den Knochen von den Aktionen der letzten Wochen. Wir mussten unsere Mitgliederlisten aktualisieren, Telefonnummern raussuchen, alle 230 Empfänger anrufen, die Ware ordern, es gab im Vorfeld viel zu tun. Aber das haben wir alle gerne gemacht, waren wir doch noch so berauscht von der großen Hilfsbereitschaft aus Deutschland. Samstagmorgen ging es dann ganz früh ins Büro. Früh deshalb, weil es in Gambia alle zwei Wochen einen nationalen Cleaning Day gibt, an dem jeder vor seiner Haustür sauber machen soll. Ausgerechnet an dem Samstag vor Ramadan. Dann steht das ganze Land von neun bis 13 Uhr still, und es geht nichts mehr. Alle Geschäfte sind geschlossen und kein Auto darf fahren. Aber wir haben es geschafft noch vorher im Büro zu sein. 

Endlich angekommen ging es sofort los. Reis und Zucker in Stofftüten abpacken, Plastiktüten sind ja seit 1.7.2015 verboten, Datteln, Tomatenmark, Mayonaise, Dosenmilch, Nudeln etc. in noch ein andere Tüte. Die Kartons mit den Hühnerbeinen kamen in ein Lager, die mussten noch etwas auftauen. Bis fünf Uhr wurde gepackt. Zwischendurch haben uns andere helfende Hände ein schönes Mittagessen vorbeigebracht. Für 10 Personen, stellt euch vor. Völlig erschöpft, aber glücklich ging es dann nach Hause. Dort noch schnell etwas für das Abendessen vorbereitet, und weil eh der Strom aus war, ging es dann bald ins Bett. 

Nächsten morgen wieder ganz früh raus. Die ersten Empfänger kommen erfahrungsgemäß schon gegen neun. Dann ging es auch schon los. Erst versuchten wir die Empfänger alphabetisch aufzurufen, aber das ging nicht. Die Lautstärke und die Abwesenheit der meisten „A“ ließen die Wartenden dazu übergehen vor Kalilu, der am Sonntag die Ankommenden mit unserer Empfängerliste abglich, eine lange Schlange zu bilden. So wurde sie dann abgearbeitet. Erst der Fingerabdruck bzw die Unterschrift und dann die Sachen abholen. 

Am Rande wurden auch viel schöne Gespräche geführt, mehrere junge Menschen haben sich dafür interessiert für uns zu arbeiten. Auch haben wir uns gefreut, einige der  Bedürftigen, die wir lange nicht gesehen haben, wieder zu treffen. Aber auch einige neue Mitglieder, die gerade einige Tage vorher einen Antrag auf Hilfe gestellt hatten, haben sich über die Gaben gefreut.   

Einige der ehrenamtlichen Helfer haben auch noch einmal betont wie erfreulich die Arbeit für einen guten Zweck ist und die damit verbundenen Pluspunkte bei Allah. Und überall wurde gebetet und gedankt. Noch bis heute rufen uns einige Empfänger an und beten am Telefon für die edlen Spender. Möge Allah sie alle reichlich belohnen. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, wenn ich alle Bittgebete hier wiedergebe, die in diesen Tagen gesprochen wurden.

Ein großer Dank auch an die Sadaqa Gruppe von Telegram, die sich mit 69 Paketen beteilgt haben, Al Rahma e.V mit 55 und Nächstenliebe ohne Grenzen e. V. mit 24. Wunderschön, wie unsere Ummah zusammenhält.

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Nähen statt Lampedusa

Wisst ihr wieviele Einwohner Nigeria hat? Etwa 160 Millionen. Und wieviele Einwohner hat Gambia? Etwa 1,8 Millionen. Nigeria hat also etwa 100x mehr Einwohner als Gambia. Richtig? Doch leider verlassen jedes Jahr ebenso viele (ca. 9000) meist junge Männer  Gambia wie Nigeria, um in das ach so viel versprechende Europa auszuwandern. 

Doch was erwartet sie dort? Eine Arbeitserlaubnis? Wohlstand? Eine geregelte Arbeit? Wohl kaum. Gambia befindet sich nicht im Krieg, und auch gab es nie einen Fall von Ebola dort. Warum sollte Deutschland also Gambianer aufnehmen, wenn sie doch mit den Kriegsflüchtlingen schon alle Hände voll zu tun haben?

Leider ist die Information bei den Betreffen noch nicht angekommen. Sie schauen sich Spielfilme aus Europa und Amerika und denken, dass sie genau so ein Leben erwartet, wenn sie in ihr Land der Wahl gehen. Es ist ein Phänomen. Ist ein junger Mann vom Europa-Virus befallen, nützt alles reden und anbieten nichts. Wie oft haben wir versucht mit den berühmten „Engelszungen“ auf sie einzureden. Es ist als ob man gegen eine Wand spricht. 

Die Situation scheint so vertrackt, dass es unser dringendes Bedürfnis ist, etwas dagegen zu tun. Da das Wort Auswegslosigkeit immer wieder fällt, keine Arbeit, kein Geld, damit keine eigene Familie, keine Unterstützung für die Eltern … und dann die Filme aus den reichen Ländern, in denen alles so leicht aussieht und so erfolgreich scheint. Was liegt da näher als auch aufzubrechen. Leider liegt Europa aber nicht so nahe, da ist noch eine Wüste dazwischen, und ein Meer, die mittlerweile Tausende von Toten beherbergen. Auch unserer Familie ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. An dieser Stelle möchte ich noch einmal das Buch „Bilal, als Illegaler auf dem Weg nach Europa“ von Fabrizio Gatti empfehlen. Er hat sich als „weißer“ Italiener auf den gleichen Weg begeben, wie fast alle der vielen West-Afrikaner. Aus seiner Feder entstand die hervorragende Beschreibung, was auf diesem beschwerlichen Weg wirklich passiert. Es vermittelt tiefe Einblicke in die komplexe Problematik und dennoch spannend geschrieben. Sehr lesenswert. 

Umso wichtiger erschien es uns jetzt aktiv Hilfe zu leisten. Da Schneider hier ein reiner Männerberuf ist, haben wir uns überlegt, eine Nähwerkstatt zu eröffnen. Vielleicht können wir dem einen oder anderen eine Zukunft in Gambia geben, dass er sich nicht auf diesen gefährlichen Weg begeben muss.  

Zu diesem Zweck sind uns bereits 8 Nähmaschinen gespendet worden, von denen 6 schon im Lande sind. Die Maschinen sind elektrische Nähmaschinen nach europäischem Standard. Die Maschine, die ihr unten auf dem Bild seht, ist der übliche „gambian Style“ mit Fußantrieb und ohne Strom. Auch Kartons mit einer Erstausstattung von Stoffen und Garnen steht bereit.  Ein Laden ist auch schon angemietet. Jetzt brauchen wir nur noch Möbel und einen Lehrer, dann kann das Projekt starten. Mit monatlich 200€ für die Miete, den Lehrer, Strom und Verbrauchsmaterial und einmalig 300€ für die Einrichtung könnten das Projekt starten. Für Fragen und Anregungen, meldet euch bitte unter mail(at)helpthepoor.de

Wer uns helfen möchte, kann es hier tun: 

HELP THE POOR AND THE NEEDY e.V.

IBAN: DE47100205000003291200

Der Stock, ein Begleiter durch’s Leben

Letztens fiel mir auf, dass man in Gambia kaum Menschen sieht, die einen Gehstock benutzen. Wir alle wissen, dass Afrikaner sehr viel athlethischer sind – siehe Olympia – doch auch sie werden mal alt. Männer wie Frauen bekommen Artritis, Hexenschuss, Bandscheibenvorfälle, aber einen Stock verwenden sie nicht. Ich besprach dann mal meine Beobachtungen mit einer 66-jährigen Artritis-Patientin. Sie lachte bei dem Gedanken an einen Stock, bückte sich und berührte mit durchgedrückten Knien und der flachen Hand den Boden. Ich staunte nicht schlecht. Abgesehen davon, dass ich das noch nie konnte, fand ich es bewundernswert wie stark ihre Muskulatur war. Doch den Grund dafür fand ich erst langsam heraus.

Die kleinen Kinder sind oft auf den Rücken der Mutter geschnallt, das beruhigt die Kleinen und macht einen geraden Rücken bei Mutter und Kind. Wenn die laufen lernen, gibt es keine fahrbaren Gestelle oder Schaukeln, sondern nur die eigenen Füße oder Mamas Rücken. Sobald sie größer werden, fegen sie mit einem Besen, der nur aus einem Bündel von Reisigzweigen besteht, tief nach unten gebückt. Oder sie waschen im Stehen über die Eimer gebeugt. Wenn die Mädchen dann älter werden, tragen sie selbst ihre Kinder oft bis nach dem dritten Lebensjahr auf dem Rücken. Wasser oder Lebensmittel werden nach wie vor noch oft in einem Behälter auf dem Kopf getragen.

Doch nun zu uns. Ab dem 10. Lebensmonat steckt man uns in eine Gehhilfe, laut ärtzlicher Meinung völlig ungeeignet zum Laufen lernen, weil die Muskulatur nicht trainiert wird. Wenn Mutter und Kind unterwegs sind, benutzen sie einen Kinderwagen. Das Kind weit weg von der Mutter und die Mutter hat mal wieder etwas zum Abstützen. Einkäufe werden erst mit dem

Einkaufswagen (zum Abstützen) und dann mit Plastiktüten bewerkstelligt, die so richtig gegenerativ für den Rücken sind. Wollen wir fegen, halten wir uns wieder an einem Stock fest – bloß keine Rückenmuskeln beanspruchen. Schließlich wundern wir uns dann, dass wir im Alter auch einen Stock brauchen. Arme Zivilisationsgesellschaft!

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Plastik ade! – Wie Gambia dem Polution-Gau den Kampf ansagt

Wir haben ja alle nicht so recht daran geglaubt, aber jetzt ist es tatsächlich passiert. In Gambia herrscht ein Plastikttüten-Verbot. Erst waren alle geschockt, als es am 1.7. tatsächlich in Kraft trat. Die Bevölkerung glaubte nicht an den Ernst der Lage und ignorierte dieses Gesetz zunächst. Dann, etwa eine Woche später, verschärfte sich die Situation noch einmal. Es wurde angekündigt, dass jeder, der mit einer Plastiktüte „erwischt“ wird, 10€ Strafe zahlen muss. Bei 30€ Monatseinkommen eine erstzunehmende Strafe. Ohne Ersatzbehältnis wurde das Ganze naturgemäß etwas schwierig, aber dennoch  …… Von einem Tag auf den anderen waren alle Plastiktüten verschwunden, und clevere Geschäftleute haben quasi über Nacht Stofftüten parat gehabt. Gambia ist nun ein nahezu Plastik(Tüten)-freies Land.

Doch warum eigentlich der ganze Zirkus? Im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, lebt ein Großteil der Menschen nahe der Hauptstadt. Viele kommen von den Dörfern in die Stadt, behalten aber leider ihre Gewohnheiten bei, alles was nicht mehr gebraucht wird, auf den Boden zu werfen. So flogen nun ständig die blauen, schwarzen und weißen Plastiktüten nach Gebrauch auf den Boden und dekorierten die Straßenränder. Zweimal im Monat gibt es seit einiger Zeit nun immer Samstag einen Tag „Clean the Nation“. An diesen Tagen dürfen von 9-13 Uhr keine Verkehrsmittel unterwegs sein und alle müssen vor ihrer Haustür sauber machen. Nun ja, das klappte auch nur bedingt, und wenn, dann wurden die Plastiktüten zu einem großen Haufen zusammengefegt und angezündet. Für die überdurchschnittlich vielen Asthmapatienten in Gambia auch keine gute Lösung.

Natürlich gibt es auf den Müllhalden noch Restbestände von Plastikmüll, auch sind ja nicht alle Plastikflaschen für Wasser, Shampoo, Ketchup etc verschwunden, aber man sieht doch eine deutliche Besserung, auf jeden Fall an den Straßenrändern.

Ein großes Problem ist jedoch nach wie vor die Müllhalde. Denn dort entzündet sich der Müll durch Glasscherben, die in der Sonne liegen, teilweise von alleine, und der beißende Geruch, der uns schon stört, wenn wir daran vorbei fahren, zieht direkt in das SOS Kinderdorf mit einer Schule von 1500 Schülern auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Also die Lösung aller Probleme ist das Abschaffen der Plastiktüten damit nicht, aber in einem so kleinen Land wie Gambia mit nur einem Bruchteil der Gesetztes- und Vorschriftenmenge von Deutschland können Plastiktüten innerhalb von einer Woche komplett verschwinden.  Das macht erst mal nach!!!!!

Wir sind jetzt nur noch mit Baumwolltaschen und Tupperdosen unterwegs.

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Mariama, ein Vorbild in Sachen Geduld

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Frau erzählen, die ich gestern treffen durfte. Ich nenne sie Mariama. In Wirklichkeit heißt sie anders, und ich werde auch diesmal keine Fotos zeigen, denn Mariamas Schicksal ist so traurig, dass sie nicht möchte, dass es öffentlich gemacht wird. Es ist eine wahre Geschichte, aber sie ist so herzergreifend, dass ich dieses Mal auch über diesen Blog um Hilfe für diese arme Frau bitte. Eigentlich sollte dieser Blog ausschließllich für Hintergrundinformationen zum Thema Armut, dem Leben zwischen den  Kontinenten und der Menschlichkeit im Allgemeinen sein. Doch besondere Ereignisse erfordern besondere  Mittel. 

Wie einige von euch vielleicht wissen, leite ich eine Hilfsorganisation in Gambia. Für diesen Zweck haben wir eine fb Seite (Help the poor and the needy e.V.) und einen Blog http://help-the-poor-needy.blogspot.com. Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte, den bitte ich sich dort weiterführend zu informieren. 

Doch nun zur Geschichte selbst. Mariama, inzwischen über 60, hatte eine gehobene Stellung in der Regierung. Sie war sehr beliebt, immer freundlich und großzügig, niemals sparsam mit Geschenken und kochte gerne für alle Kollegen. Sie hat 4 gesunde, wunderhübsche und kluge Töchter, alle mit Abitur, ein schönes Haus im eigenen Grundstück. Alles schien perfekt, bis zum Tag X, der ihr Leben komplett veränderte. 

Doch was ging diesem Schicksalsschlag voraus?

Ihr Mann hatte ca. 1,5 Jahre zuvor das Familiengrundstück verkauft. Der neue Besitzer forderte immer wieder sein Grundstück ein, doch der Familienvater vertröstete ihn permanent. Bis der neue Besitzer die Polizei einschaltete. Als eine der Töchter aus der Schule kam, zwang die Polizei sie die Tür zu öffnen. Sie holten den ganzen Hausrat aus dem Haus und warfen ihn auf die Strasse. Die Tochter rief verzweifelt ihre Mutter an. Als sie das Grundstück betrat und sich auswies, hatten die Polizisten ein Einsehen und stellten die Möbel an die Mauer. Abends um 22 Uhr kam dann der Familienvater nach Hause und brachte die Familie auf ein Grundstück irgendwo in der Pampa ohne fließend Wasser und Strom, dann verschwand er zu seiner zweiten Frau. 

Mariama litt mit ihren Kindern in ihrem neuen Zuhause. Die zwei ältesten Töchter hatten später die Chance nach Frankreich bzw. England zu gehen. Das Leben ging irgendwie weiter, aber unter erschwerten Bedingungen. Dann passierte etwas, dass die eh schon schwierige Situation noch verschlechterte. 

Die Mutter erlitt einen Schlaganfall und ist seitdem vom Bauch abwärts gelähmt, und alle vier Töchter sind geisteskrank geworden. Die älteste ist immer noch in London und dort in einer Klinik. Die zweite wurde von ihren Freunden von Frankreich nach Hause geschickt, und die beiden jüngsten waren noch bei der Mutter. Nun sind die zwei mittleren Töchter in einer Psychiatrischen Klinik in Gambia und die jüngste zu Hause. Sie läuft hinter dem Haus auf und ab und redet permanent mit sich selbst, ab und an schreit sie dann auch und beschimpft Leute, die gar nicht anwesend sind. Sie braucht für etwa 25€ monatlich Medikamente, damit sie überhaupt schlafen kann. Eine der Töchter hat auch noch einen 13-jährigen Sohn und eine 7-jährige Tochter. Die Kleine wohnt in dem SOS-Kinderdorf, und der Junge wohnt bei der Großmutter, und sie muss nun auch noch für seine Schulgebühren aufkommen. Er ist sehr gut in der Schule, ich habe das Zeugnis gesehen. Nach deutschen Maßstäben würde ich sagen im Durchschnitt eine 2-. 

Sie wohnen sehr einfach. Ein lieber Freund mietete eine 2-Zimmerwohnung für sie, in der sie jetzt mit ihrer jüngsten Tochter und dem Enkelsohn lebt. Klingt erstmal gut, doch bei näherem Hinsehen, ist auch das nicht optimal. Auf meine Frage, wie wir ihr helfen können zum Beispiel mit einem Sack Reis alle zwei Monate sagte sie, dass sie nicht so viel Reis essen, da ja niemand da ist, der kochen könnte. Manchmal würde die Nachbarin für sie mitkochen. Sie würden eigentlich nur Brot essen. In den Schulferien kommen manchmal Mädchen zu ihr, die dann für 16€ im Monat bei ihr putzen und kochen. Also kaum ein warmes Essen für die Familie. Und das für eine Frau, die in ihren gesunden Zeiten immer für ihre Kollegen gekocht hat. 

Wasser ist auch ein Problem. Sie hatten mal einen Wasserhahn im bzw. am Haus, aber der wurde vor ein paar Monaten abgestellt. Vielleicht hat der Hausbesitzer nicht bezahlt. Jetzt ist auf der Strasse ein öffentlicher Wasserhahn, aber der ist tagsüber nicht zu benutzen, da der Wasserdruck wohl nicht ausreicht. Ich kenne das von anderen Gegenden auch, dann muß jemand von der Familie nachts aufstehen und einige Eimer Wasser für den nächsten Tag holen. So ist es bei ihr auch, nur dass keiner aus der Familie es machen kann. So bezahlt sie 10ct pro Eimer. 

Gekocht wird in kleinen Kohleöfen vor oder hinter dem Haus. Das ist wohl da, wird aber selten benutzt. 

Ich fragte noch, ob sie denn Hilfe aus der eigenen Familie bekommen könne. Sie sagte, ihre Schwestern haben ihr immer geholfen, aber sie sind mittlerweile alle verstorben. Dann hatte sie noch einen Nachbarn, der als Arzt im größten Krankenhaus des Landes gearbeitet hat. Er hat sie immer zu Hause behandelt. Doch nun ist auch er vor 4 Monaten verstorben. 

Als wir kamen saß sie auf ihrem Bett. Ich fragte sie dann, ob sie auch mal vor die Tür kann, oder ins Wohnzimmer. Sie zeigte uns dann ihren Rollstuhl, der aber keine Fußstützen hat. So kann sie niemand irgendwohin fahren, weil ihre Füße auf dem Boden schleifen. So ist ihr Aufenthaltsort meistens das Bett. Am Ende wollte ich dann noch wissen, was denn ihr persönlich größter Wunsch ist. Da strahlten ihre Augen, als sie sagte „eine neue Matratze“. So wie sie jetzt schläft, wacht sie jeden Morgen mit Schmerzen im Rücken und in den Hüften auf. In den Ellenbogen hat sie Arthritis, so dass sie bei jeder Bewegung schmerzen. Da kommen wir noch zu einem anderen Problem – die Tabletten. Sie nutzt jeden Tag Paracetamol für ihre Gelenke. Aber jeder weiß, die Paracetamol in Gambia sind aus Indien, und dort ist mehr Kreide als irgendetwas anderes enthalten. Wirkung gleich Null. Sie wünscht sich ein paar Paracetamol-Packungen aus Deutschland.

Wir hoben dann die Decke auf dem Bett etwas hoch und sahen eine etwa 5cm dicke Matratze, die in mehreren Einzelteilen auf dem Bett lag. Eine neue Matratze „Kingsize“ ca 15cm dick, kostet 60€, zu viel für die kleine Familie. Ich fragte sie, wer denn alles in dem Bett schläft. Der Enkel und sie, die Tochter schläft auf den Fliesen im Wohnzimmer.

Um dieser armen Frau zu helfen, könnte ich mir folgendes Programm vorstellen. Vielleicht finden wir Unterstützer, die uns helfen, die kleine Familie zunächst für ein Jahr zu unterstützen. 

  • 30€ Lebensmittel im Monat
  • 30€ Dienstmädchen im Monat
  • 25€ für die Tabletten der Tochter

Einmalig 

  • 60€ für die Matratze der Mutter und 
  • 30€ für die Matratze der Tochter 
  • einmal im Jahr ca  150€ für die Oberschule des Enkels. (Auf Wunsch schicke ich gerne ein Foto des Jungen per PN oder mail. Ein wirklich hübscher Junge) 
  • Und vielleicht ein neuer Rollstuhl mit Fußstützen. 

Viielleicht gibt es unter den Lesern auch Interessierte, die uns vielleicht mit Medikamenten, Rollstühlen oder andere Sachmitteln aushelfen können. Ein Gebet für die Familie hilft aber auf jeden Fall.

Mariama ist wirklich ein großes Vorbild für mich, ein Schicksal mit Güte, Zuversicht und vor allem Geduld zu ertragen. Sie selbst sagt, wäre sie nicht eine gläubig Frau, hätte sie schon längst aufgegeben. Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir ihr ihr Schicksal etwas erleichtern könnten.

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Wer Fragen zu unserem Verein oder diesem Hilfeaufruf hat, kann uns gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de
Unsere Kontonummer ist: 

Help the poor and the needy e.V
Bank für Sozialwirtschaft 

IBAN DE47100205000003291200 
BIC BFSWDE33BER

Danke für deine Aufmerksamkeit und dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast! 

Familie ist schön, oder?

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Wenn ich von einem Kontinent zum anderen fliege, kommt es mir oft vor, als ob ich durch die Jahrhunderte reise. Bin ich in einem Land, indem die Mehrehe und die Großfamilien an der Tagesordnung sind, und 30 oder mehr Personen einer Familie auf einem Grundstück zusammenleben, ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Nicht selten leben vier Generationen unter einem Dach, jeder hilft jedem, aber es gibt natürlich auch mehr Streitereien. Auf die Frage, wie die jungen Leute denn später einmal leben möchten, gibt es aber dann nur eine Antwort: In einer Kleinfamilie.
Durch die westlichen Einflüsse wie Tourismus und Fernsehen scheint ein Trend zur Individualisierung losgetreten worden zu sein.
Was früher noch überlebenswichtig war, wird heute vielen jungen Menschen oft lästig. Sei es, dass sie als Alleinverdiener eine Großfamilie ernähren müssen, oder als Arbeitsloser von einem anderen Familienmitglied abhängig sind. Individualität ist in beiden Fällen nicht möglich, doch aber so gewünscht.
Ein anderer Trend zur Individualisierung ist auch an den Namen abzulesen. Reden wir von Gambia, dem kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, stellen wir fest, dass es nicht übermäßig viel verschiedene Familien gibt, das heißt, die Menge an Nachnamen ist begrenzt. Bei den Vornamen sieht es auch nicht anders aus. In muslimischen Ländern werden die Kinder gerne nach berühmten Vorbildern benannt, und traditionell wird das erstgeborene Mädchen Fatou (Fatima) und der erstgeborene Junge Lamin (Al Amin, Beiname des Propheten Mohammed (sws)) genannt. So kommt es nicht selten vor, dass wenn du in eine Schulklasse den Namen Fatou rufst, sich schnell mal 7-8 oder mehr Schülerinnen angesprochen fühlen. Ähnlich mit Aisha (auf afrikanisch Issatou) oder Momodou (Mohammed).
Nicht viel anders verhält es sich mit den Nachnamen. Es gibt verhältnismäßig wenige Familien, die aber alle entsprechend groß sind. Und irgendwie wird man das Gefühl nie los, als ob jeder jeden kennt.
Also wieder nichts mit Individualisierung. Ein paar ganz Clevere lassen sich dann mit ihren Initialen anreden. Manchmal auch mit denen von Popstars. Nun ja. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
So manches Einzelkind in Deutschland wäre froh, wenn es ein paar Geschwister hätte. Oder vielleicht auch nicht? Zeichnet sich ja in Deutschland ein Trend ab, der zum Superindividualisten führt. Ist das gemeinsame Wohnen schon fast zur Zumutung geworden, geht Heiraten schon mal gar nicht. Das gemeinsame Erziehen der Kinder ist auch irgendwie nicht mehr “in“, obwohl es in der Arbeitsteilung um so viel einfacher wäre. So wächst ein Heer von Kindern von alleinerziehenden Hartz4-Empfängerinnen heran, da arbeiten und Kinder erziehen alleine in der Tat nicht so einfach ist. Die Kinder hätten sich das so bestimmt nicht ausgesucht.
So hören wir ständig von der Doppelbelastung der Frauen, aber was machen eigentlich die Männer in der Zwischenzeit? Arbeiten sie etwa doppelt so hart, weil sie weniger zeitliche Verpflichtungen haben?
Für mich ein Zustand einer unerträglichen Kompromisslosigkeit.
Wo ist die nette Kleinfamilie geblieben, in der alle ihre Aufgaben und die Kinder Vater und Mutter haben? Nur wenige davon schon in Afrika und nur noch wenige in Europa.
Es ist nicht zu übersehen, dass die Industrieländer die großen Vorbilder für die meisten Afrikaner sind. Lampedusa lässt grüßen. Doch warum möchte denn keiner mal genau hinsehen, dass dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt? Mein Appell daher für heute: Verbessert das, was ihr habt, anstatt dort hinzuschauen, wo auch nicht immer alles klappt.

Wenn geliebte Personen gehen müssen

Wenn von uns geliebte Personen diese Welt verlassen, ist das traurig. Manchmal werden sie aus dem Leben gerissen und die Trauerarbeit der Hinterbliebenen fängt dann an. In anderen Fällen, in denen das nahe Ende absehbar ist, kann eine Trauerarbeit schon vorher anfangen, bestenfalls sogar mit der Person selbst. Es ist ein Abschiednehmen auf Zeit. NIemand von uns weiß, wann seine Zeit gekommen ist, und für das, was danach kommt, hat jeder wohl seine eigene Sichtweise. 

Wir können weder an dem Zeitpunkt noch an dem Verlauf etwas ändern. Doch vielleicht haben wir die Chance, den Abschied und das Loslassen so würdevoll wie möglich zu gestalten. Ist es nicht an uns Angehörigen, bestimmte Zeichen zu erkennen? Muss die Medizin um jeden Preis Vorrang vor einem würdevollen Abreten aus dieser Welt haben? Natürlich muss ein Arzt schwören, dass er alles tut, um Menschleben zu retten. Aber um welchen Preis? Nun kommt wieder der Blick über den Tellerrand ins Spiel. 

Es ist eine schwierige Gradwanderung abzuschätzen, wie viel Medizin noch gut tut, oder ob es nicht auch besser sein könnte, weniger Medizin, dafür vielleicht ein schnelleres, aber würdevolleres Ende. In ärmeren Gegenden stellt sich diese Frage oft nicht, da sie keine Wahl haben. Nun ist man in Deutschland ja gut krankenversichtert, und hier stellt sich die Frage nicht, weil die Medizin verfügbar ist. Fehlt uns durch die Verfügbarkeit der Mittel inzwischen der Blick fürs Wesentliche, oder sind wir fremdgesteuert durch die Götter in Weiß? Sie übernehmen ja nicht die Entscheidungen, die müssen die armen Angehörigen treffen, die eben kein Medizinstudium absovliert haben.

Selbstverständlich ist es schwer, sehr schwer erstens den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, und hinterher ist man immer schlauer. Von Sterbehilfe möchte ich hier nicht sprechen, das verbietet sich für gläubige Menschen sowieso, doch wann ist der richtige Moment im Sinne der Würde des Patienten, sein Leben in Gottes Hände zu geben und die Lebenserhaltungmaschinerie aufzugeben? Ist es immer nur die Sorgen um den Patienten oder nicht ein Stück weit auch das „Nichtgehenlassenwollen“ der Angehörigen? Eine schwierige Prüfung für alle Beteiligten. Ich wünsche Allen, die in solche Situationen kommen, dass sie gemeinsam in der Familie darüber beraten können, ohne in die Fänge der Lebenserhaltungmaschinerie der Ärzte zu kommen. Gerade bei multiplen Erkrankungen können Angehörige schnell mit der Entscheidung überfordert sein, und am Ende muss der Patient einen Medikamentencocktail zu sich nehmen, dessen Nebenwirkungen ein würdevolles Leben unmöglich machen. Um wieviel schwerer fällt dann auch die Trauerarbeit, wenn wir mit ansehen müssen wie unsere Lieben leiden müssen. 

Mögen wir alle immer die richtigen Entscheidungen mit unseren Angehörigen treffen, um ihnen ein Leben oder Sterben mit größter Würde zu ermöglichen.  

Einigkeit und Recht und Freiheit

Kürzlich fragten mich meine Kinder nach dem Text der deutschen Nationalhymne. Auch ich im ersten Moment unsicher, haben wir es gemeinsam aber hinbekommen und dann auch gesungen. Beim Singen fragte ich mich dann, was singe ich hier eigentlich?

Einigkeit …. welche genau? Die Einigkeit der Politiker untereinander? Oder die des Volkes, das wechselseitig gegeneinander auf der Straße demonstriert? Ich nehme an, ich verstehe da etwas falsch und Deutschland ist ein durch und durch einiges Land und alle haben sich lieb. 

Recht …. welches hier wohl gemeint ist. Das Recht auf freie Religionsausübung, oder das Recht auf einen Kindergartenplatz, das Recht auf Gleichbehandlung im Job, beim Vermieter, oder das Recht auf bezahlbaren Wohnraum ….. Wahrscheinlich sind ja eher das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Menschenrechte damit gemeint. 

Freiheit … das hat mir besonders gut gefallen. Wie frei doch hier alle Menschen sind, die auch nur ein Stück weit von der Norm abweichen. Freiheit bei der Berufswahl, Freiheit bei der Wohnungssuche. Ganz schlimm wird es, wenn du gleich in zwei Sachen von der Norm abweichst, z.B. falsche Religion und viele Kinder, dann ist es ganz aus mit Freiheit, dann musst du nur noch nehmen was übrig bleibt. Steigerungsformen nicht ausgeschlossen. 

Vielleicht bin ich aber auch einem großen Irtum erlegen, und es ist alles gar nicht so. Schließlich heißt es in der Hymne ja auch weiter …. „danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand …“, genau wir arbeiten alle an unserer Einigkeit unseren gemeinsamen Rechten und der Freiheit für alle, denn noch mangelt es da an vielen Ecken und Enden. 

Schließlich geht es ja dann noch weiter, dass Einigkeit, Recht und Freiheit des Glückes Unterpfand sind. Im Umkehrschluss heißte es dann also, bei Nichtereichen der genannten Ziele, wird das Glück fernbleiben. Für einige Bevölkerungsgruppen würde ich das auf jeden Fall bejahen. Schade ist nur, dass in den nächsten Zeilen Deutschland im Glanze dieses Glückes blühen soll. Doch was, wenn wir es nicht erreichen? 

Me, myself and I

Sagt jemand so etwas von sich selbst, klingt es wie ein egozentrischer Hochstapler oder wie Drillinge, die sich als eine Einheit verstehen. Dabei sind es die Worte aus dem Mund meiner Teenage-Tochter, die auf der Suche nach ihrer Identität ist. Als Kind einer Mischehe (Deutschland-Gambia), in beiden Kulturen zu Hause, aber ihr eigenes Wesen wohl noch nicht gefunden. Sie und ihre Geschwister reden viel darüber, wie es wohl wäre, wenn es ein Land nur für Ihresgleichen gäbe. Dort würden sie dann die guten Seiten beider Kulturen vereinen.
Mich hat das aufhören lassen. Sind das nicht Zeichen dafür, dass sie unsicher sind und in Kulturen, in denen stark katalogisiert wird, kein Platz für halbe Sachen ist? Sie fühlen sich ausgegrenzt, ob sie nun von Geburt zwischen den berühmten Stühlen sitzen oder durch Umzug in ein anderes Land. Nur wenige machen sich bei uns überhaupt Gedanken um Kinder und Jugendliche, in deren Brust zwei Herzen schlagen, dabei könnten sie doch wirklich eine Bereicherung sein.
Vielleicht können wir es ja wirklich nicht nachvollziehen, aber sicher ist, dass jeder Mensch ein Dazugehörigkeitsgefühl, wenn nicht gar Anerkennung möchte. Können wir uns wirklich vorstellen, wie es ist, wenn wir als Jugendliche direkt oder indirekt gezeigt bekommen, dass wir nicht willkommen sind? Wie entwickelt sich wohl ein Mensch, der über einen langen Zeitraum Ablehnung erfährt?
Wir alle sind von Gott erschaffene Menschen, niemand ist besser oder schlechter als der andere, und jeder verdient eine Chance. Die Kinder werden unschuldig in die Rolle der Gastarbeiter- oder Mischlingskinder hineingeboren, kein Wunder also, wenn ihre empfundene Ablehnung in Aggression umschlägt.

Habt also ein Herz für die Kinder, die dort bzw. das sein müssen, was ihre Eltern für sie beschlossen haben. Sie können nichts dafür.

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Der Flughafen – ein Ort der Besinnung?

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben …

Besonders Stunden auf dem Flughafen, verfehlen ihre Wirkung nicht. Da kommst du von einem Ort, voll mit Erlebnissen, guten und schlechten, die vielleicht erst noch verarbeitet werden müssen, und reist in einen anderen, der ebenso Erlebnisse, ganz anderer Natur mit sich bringt.

Und dann hängst du da auf dem Flughafen und denkst. Die Gedanken wälzen sich durch den Körper: Abschied, Erleichterung, Sorge, Vorfreude gepaart mit Langeweile, Müdigkeit. Das Gefühl, doch nicht alle Aufgaben abgeschlossen zu haben, und Sorge vor den neuen Aufgaben, die noch kommen.

Ablenkung hilft partiell, doch irgendwie kommt man aus der Nummer nicht mehr raus. Du kannst ja nicht weg. Gefangen in der Sprachlosigkeit und überflutet von Eindrücken. Egal, ob du von einem Gate zum anderen läufst, dir die Auslagen in den Geschäften ansiehst oder auf Imbiss-Suche gehst, die Gedanken gehen mit. Warten auf den Anschlussflug, und dauert es noch so lange. Geduld ist gefragt und wird von uns erwartet. Das macht uns Erwachsene schließlich aus. Wir müssen geduldig sein. Wenn ich mir die Kinder so um mich herum ansehe, sie dürfen ungeduldig sein und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Doch sie schleppen auch nicht so ein Gedankenknäul mit sich herum.

Mein Magen fing an zu rebellieren, ich hatte das Gefühl, völlig übersäuert zu sein. Entspannung muss her. Was dann immer wieder hilft, ist ein Gebet. Ich erinnerte mich an die Bedeutung des Wortes „Islam“: Hingabe in den Willen Gottes. Das Schicksal annehmen, offen sein für alles, was kommt. Das schien zu helfen. Es als eine Prüfung anzunehmen. Doch dann gibt es Jahre, in denen fragt man wieviele Prüfungen kann ein Mensch in kürzester Zeit eigentlich bestehen?

Da fiel mir ein Gedanke ein, den ich vor ein paar Tagen hatte. Ich fragte mich, warum ich mich so schwer tue mit dem Auswendiglernen, dann zweifelte ich an mir, ob ich wohl noch einmal eine Sprache lernen können, das ist mir doch früher so leicht gefallen. Dann dachte ich, vielleicht bin ich einfach zu alt für Lernstoff und Prüfungen. Doch jetzt habe ich die Erklärung: Ich gehe zur Zeit durch eine solche Menge von Persönlichkeitsprüfungen, dass für Wissensprüfungen einfach keine Kraft mehr übrig bleibt.

Doch ist das jetzt wirklich eine Erklärung oder doch nur eine Ausrede? Könnte nicht die Beschäftigung mit dem Wissen und dessen Erlangung auch eine Chance zur inneren Ruhe sein? Ein Versuch wäre es zumindest wert, sofern die Konzentration es zulässt. Es könnte sich auch als großartige Ablenkung erweisen, wenn die Gedanken mal wieder Purzelbäume schlagen.

Mein Selbstversuch hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Zusammenfassend kann ich nur empfehlen, wenn ihr euch eine lange Wartezeit nicht mit Grübeln vermiesen wollt, versucht etwas auswendig zu lernen. Zwei Fliegen, eine Klappe. Du verstehst?

Schuld sind immer die anderen

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Ist es Erziehung, oder Selbstschutz wenn der Satz fällt: „Ich war’s nicht, der andere war’s.“ Ein Phänomen, dass unter Kindern üblich, bei Erwachsenen in etwas eleganterer Form jedoch auch hin und wieder zu hören ist.

Was ist eigentlich so schwer daran Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen? Wie bewußt gehen wir eigentlich noch mit unserem eigenen Handeln um. Ich liebe Menschen, die bewußt Entscheidungen treffen, sich Gedanken über ihr Tun machen und an Konsequenzen ihres Handelns denken. Doch im immer schneller werdenden Alltag geht die Reflektion über das eigene Handeln dann wohl unter. Es ist Zeit für Entschleunigung. Können wir hier vielleicht etwas von anderen Kulturen lernen?

Wie oft habe ich beobachtet und war dann auch oft peinlich berührt, wenn ich stolpere, sagt meine Begleitung „sorry“, wenn ein Stift herunter fällt „sorry“, selbst wenn du dich verschluckst „sorry“. Es ist auf jeden Fall ein Zeichen von Mitgefühl. Warum fällt es dann aber so schwer, wenn wir eine Person wirklich verletzt haben, körperlich oder seelisch, uns zu entschuldigen (Übersetzt: uns unserer Schuld zu entledigen) und zuzugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben.

Im Geschäftsleben kann man dafür ganz klassische Beispiele finden. Wer schon einmal in einer Mahnabteilung gearbeitet hat weiß, wovon ich rede.

Ein Kunde zahlt nicht, erste Mahnung, zweite Mahnung, dritte Mahnung. Nichts passiert. Dann kommt in der Regel ein Inkassoverfahren mit Pfändungsbeschluss. Für alle Seiten höchst unangenehm. Von guten Kommunikationstrainern habe ich gelernt, wie es auch anders gehen kann. Spätestens nach der 2. Mahnung greift man zum Telefon und ruft den säumigen Kunden an. Da auch für ihn die Sache normalerweise höchst unangenehm, wenn nicht gar peinlich ist, reagieren sie eher kleinlaut. Würden wir jetzt mit der Haudrauf-Methode kommen, fühlt sich unser Kunde in die Ecke gedrängt und würde zurück poltern. Wenn ich jetzt aber für ihn unerwartet reagiere und mich für seine Probleme interessiere, im gar Hilfe anbiete (ohne mein eigenliches Ziel aus den Augen zu verlieren), werden die säumigen Zahler in der Regel schnell kooperativ und bieten von sich aus Lösungen an.

Dieses Beispiel zeigt, auch wenn wir in Schwierigkeiten stecken, gibt es immer einen liebevollen Weg hinaus. Kein Mensch wurde perfekt geboren. Wir alles sind hier auf dieser Erde, um zu lernen, ein Leben lang. Vielleicht kostet es am Anfang etwas Überwindung, doch letztlich siegt das schöne Gefühl der Empathy, das wir bei dem anderen auslösen, wenn wir sagen, „ja, ich habe einen Fehler gemacht, Entschuldigung“. Die Sympathien sind dann ganz bestimmt auf unserer Seite.

So, und nun entschuldige ich mich dafür, dass ich deine Zeit in Anspruch genommen habe und bedanke mich dafür, dass du zu Ende gelesen hast.

Die Kraft des Gebetes

In Zeiten der Traurigkeit, von Niederlagen, aber auch von Zuversicht und Dankbarkeit wenden wir uns gerne an Gott. Das Gespräch mit Gott gibt uns Kraft und lässt uns unsere inneren Gefühle formulieren. Schon alleine das Formulieren des Dankes und der Bitten bringt Klarheit in unsere Gedanken und Wünsche.

Doch auch wer nicht an Gott glaubt, dem können wohl gewählte Worte einmal laut ausgesprochen als Wegweiser dienen, als innere Führung, als Ziel. Wie oft haben wir diffuse Vorstellungen über das, was sein kann, aber konkret werden sie erst durch das ausgesprochene Wort.

Nicht umsonst heißt eine beliebte Frage bei Motivationstrainern: “Was ist der Unterschied zwischen einem Traum und einem Ziel?”

Antwort: “Das Datum.”

Diese Frage zeigt, wie wichtig die Konkretisierung des Diffusen ist, und dabei bleibt es jedem überlassen, wer der Adressat ist. Wenden sich die einen an Gott wenden, nennen sie es Gebet, andere wenden sich an das Kollektivbewusstsein und nennen es dann gerne “Bestellungen an den Kosmos” wie ein gleichnamiges Buch belegt. Die Methode ist jedoch immer dieselbe: Die Manifestation der Gedanken und Wünsche in der Sprache, denn sie ist unser Kommunikationsmittel Nr. 1.

Und doch müssen wir hier noch einmal kurz auf den Adressaten eingehen. Für gläubige Menschen hat Gott in seiner Barmherzigkeit und Güte eine Schicksal-bestimmende Kraft. Nur die Ansprache an IHN kann eine Veränderung der  Schicksalsbahnen bewirken. Bittgebete, besonders wenn sie von vielen gesprochen werden, haben eine spürbare Kraft.

Die Ansprache an das Kollektivbewusstsein kann aus Sicht eines Gläubigen wohl bewirken, dass Zeichen für Lösungsansätze auftauchen, wie ein Bericht im Fernsehen, oder eine Erzählung eines Freundes oder andere Begegnungen zu einer Fragestellung, aber eine echte Beeinflussung und damit eine schicksalshafte Veränderung eines Weges kann durch unser bloßes Wort wohl nicht erfolgen. Dazu brauchen wir die Kraft von etwas, das mächtiger ist als wir.

Das Gebet kann auch als ein Gespräch mit Gott gedeutet werden. Natürlich kennt Gott unsere Gedanken, doch sie auszusprechen, hilft uns selbst Klarheit zu bekommen und Prioritäten zu setzen. Stellen wir uns unsere Gedanken als einen Berg vor, so sprechen wir doch meist nur die Spitze des Berges unserer Gedanken aus, und diese sind dann auch unsere Priorität.

Lassen wir uns also berühren von der Kraft des Gebetes. Lassen wir uns tragen von der Nähe zu Gott, die uns emotional einhüllt und zu Höchstleistungen antreibt.

Ich wünsche euch schöne Eingebungen und Intuitionen. Möge euch Rechtleitung und eine persönliche Führung zuteil werden.

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Den Jahrhunderten entgegen

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Das Wort Entwicklungsländer suggeriert, dass in diesen Ländern eine Entwicklung stattfindet. Richtig? Heißt das dann im Umkehrschluss, dass es in den anderen Ländern keine Entwicklung gibt? Das wäre traurig. Was ich durch Beobachtungen gerne eingestehe ist, dass die Entwicklung in den Entwicklungsländern zeitverzögert zu denen in den Industrieländern (das ist ja wohl das Gegenstück dazu) stattfindet.
Die Entwicklung der Familie steuert in den Industrieländern eindeutig auf die Kleinstfamilie, wenn nicht sogar Single-Haushalte. In den Ländern, die sich erst noch entwickeln müssen, da sie ja noch nicht fertig sind, wie die anderen, gibt es noch die Großfamilien. Neben einigen Vorteilen, sind mir die Nachteile durch eigene Anschauung durchaus bewusst. Im Englischen heißen sie extended families im Gegensatz zu den nuklear families. Jedes Kind träumt davon in einer nuklear family aufzuwachsen, doch aus wirtschaftlichen Gründen geht das in der Regel nicht.
Auch gekocht wird gerne noch wie bei uns Anfang des letzen Jahrhundert, auf dem offenen Feuer, nicht überall, aber noch sehr häufig.
Dann gibt es wieder andere Phänomene, in denen die sich Entwickelnden (die Bewohner der Entwicklungsländer) Stadien der Entwicklung überspringen. So hatte bei uns fast jeder nach der Erfindung des Telefons über Jahrzehnte ein Haustelefon mit einer Festnetznummer. Diese Telefone waren hier bei Privatpersonen nur sehr kurz im Einsatz, weil inzwischen so gut wie jeder ein Handy besitzt. Nur in einigen Firmen ist das Festnetz noch anzutreffen. Da sind die sich Entwickelnden den Industriellen sogar etwas voraus.
In den Industrieländern entstehen zu den neuen Erfindungen immer auch eine Verarbeitungs- und ganz wichtig, auch eine Entsorgungsindustrie. Aber ein richtiges Problem ist es, wenn die Industrieprodukte zwar ins Land kommen, aber die Entsorgung nicht gewährleistet ist. So gelangen Millionen von Plastiktüten in Länder, in denen sie nicht mehr entsorgt werden können, da es keine Müllverbrennungsanlagen gibt. So wird der Plastikmüll kurzerhand auf dem eigenen Grundstück verbrannt. Dieser Prozess beginnt zwar sehr industriell, indem jedem, bei jeder Gelegenheit Plastiktüten angeboten werden, endet dann aber sehr unterentwickelt. Und genau dieser Spagat, und es gibt noch weit mehr Beispiele ist so kontraproduktiv für das Land und besonders für die Gesundheit der Bewohner.

So müssen wir leider feststellen, dass Entwicklungsstufen zu überspringen, nicht immer zu den besseren Ergebnissen führt.

Wer hier eine Idee für eine Lösung hat, darf mir gerne schreiben.

Was ist eigentlich Eigentum?

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Es ist schon interessant, wie unterschiedlich die Menschen Eigentum empfinden und danach handeln. Haben meine Eltern mir schon im Sandkasten beigebracht: „Das sind nicht deine Förmchen, wenn du damit spielen möchtest musst du erst fragen!“, sieht das in anderen Kulturkreisen gaaanz anders aus.

So ist es für mich immer wieder interessant zu beobachten, wie schon Kinder völlig ungeniert an die Schultaschen von anderen gehen, sich nehmen, was sie brauchen. Und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Die Großen benutzen dann deine Grundstücksmauer, um auf ihrer Seiten ein Haus daran zu bauen, bauen kleine Fenster in deine Mauer, oder schlagen Löcher rein, um den Auspuff ihres Generators dort durchzuführen. Alles ohne wenistens mal zu fragen. Rechtens ist das alles nicht, but who cares?

Vielleicht ist ja aber auch unser Eigentumsdenken zu streng? Wenn wir das Ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachten, zum Beispiel, dass alle Menschen und Dinge uns nur für eine gewissen Zeit begleiten und sich Wege dann auch wieder trennen, wird es einem etwas leichter ums Herz. Spätestens, wenn wir den „Löffel abgeben“ müssen wir uns trennen, und zwar nicht nur von dem Löffel.

Unter diesem Gesichtspunkt ist vielleicht auch ein „borrow me“ („Leih mir“) zu verstehen, das in ärmeren Gegenden Afrikas gerne mal als „Schenk mir“ gemeint ist und oft benutzt wird. Die Kinder dort wissen die eigentliche Bedeutung von „borrow me“ schon gar nicht mehr. Abgesehen davon müsste es eigentlich „lend me“ heißen.

Ich bin weit davon entfernt, die Nehmermentalität für gut zu befinden, doch vielleicht sollten wir doch ein wenig mehr „Wir“ in unser Besitzdenken bringen. Schließlich können wir nichts davon mit ins Grab nehmen.